Seh(n)sucht eines Heimgeflohenen
In den letzten beiden Jahren auf Teneriffa unterzog sich der mit Depressionen und Ehekrisen kämpfende Dichter Franz Xaver Kroetz nach jahrelanger TV-Abstinenz einem aufopferungsvollen Selbstversuch und hätte sich dabei mittels Fernbedienung und Satellitenempfang Dutzender deutscher Privatkanäle wohl beinahe den Goldenen Schuss gesetzt.
«Tänzerinnen + Drücker» heißt die theatrale Ausbeute eines Exzessiv-Fernseh-Deliriums; eigentlich ist es ein einziger Hassausbruch, gepaart mit der geschlechterspezifisch differenzierten Darstellung typischer Spätfolgen von unkontrolliertem TV-Konsum. Dabei interessieren sich die männlichen Probanden erwartungsgemäß vor allem für die äußeren und inneren anatomischen Qualitäten einer gewissen Tina, der zuliebe sie sogar vorübergehend die Fernbedienung aus der zittrigen Hand legen, um diese anderswo zum Einsatz zu bringen.
Die weibliche Kontrollgruppe setzt sich dagegen, obwohl als Altersheim-Insassinnen faktisch vor den Bildschirm gefesselt, mit den letzten Resten ihrer Wunsch- und Leidenskraft gegen die totale mediale Gleichschaltung zur Wehr, indem sie sich nicht mit der Zuschauerrolle zufrieden geben, sondern in bester «Präsidentinnen»-Manier ...
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Plötzlich steht sie wieder vor der Tür: Die Frau, der man vor über 20 Jahren einen glücklichen Sommer lang ewige Liebe geschworen hat. Inzwischen ist Frank seit 19 Jahren gründlich verheiratet, was sich am deutlichsten dadurch zeigt, dass er ein ganzes Stück lang nicht eine Sekunde darüber nachdenkt, ob er damit eigentlich froh ist.
Andererseits kommt er gar nicht...
Das «KunstenFESTIVAL des Arts» in Brüssel, das eigenwilligste und wichtigste Festival Europas, präsentiert in diesem Jahr drei Dutzend verschiedene Theater-, Tanz-, Performance- und Film-Produktionen, über die Hälfte davon sind Uraufführungen. Wie immer hat Frie Leysen, Gründerin und Leiterin des Festivals, jene Künstler aus Europa, Asien, Afrika, Nord- und...
Der Name klingt holprig und ist zudem schief. «Bühnenbild» – eines jener deutschen Doppelworte, das zwei Begriffe, die nicht so recht zusammenpassen, schamlos hintereinanderhängt in der Hoffnung, dass die dadurch erreichte Verwirrung ausreicht, von unangenehmen Nachfragen abzuhalten. Mit Bildern jedenfalls hat das, was auf den interessanteren deutschen Bühnen neben...
