«Seid ihr gewillt, die Krone abzutreten?»

«miles and more» – ein Feature von Rimini Protokoll über Rücktrittsdramaturgien in der Politik

Theater heute - Logo

Die Sprachschablonen sind schnell auf einen Nenner gebracht: «Ich habe mir in der Sache nichts vorzuwerfen, um aber Schaden von Amt oder Partei abzuwenden, sehe ich mich dazu gezwungen ...» Ob es um Schwarzgeldmillionen oder Bonusmeilen geht, um Einkaufswagenchips oder echt große Beträge – Rücktritte gehören wie Wahlkämpfe zu den durchinszenierten Manövern in der Politik. Zumeist sollen sie wieder verbergen, was zuvor enthüllt wurde, denn mit dem «persönlichen» Opfer gilt in der Regel eine Affäre als abgeschlossen. Zumindest, was die politische Öffentlichkeit betrifft.

Es gibt aber auch die Durchsteher, wie Roland Koch oder Ex-Streetfighter Joschka Fischer («Wollen Sie mir jetzt meine Geschichte vorwerfen?»), die ein einmal angelau­fenes Rücktrittsszenario sogar mit Prestigegewinn überstehen.  
Die Fallbeispiele aus der deutschen Politik allein der letzten zehn Jahre sind kaum zu überschauen und haben weder mit bestimmten Parteien noch mit charakteristischen Biografien zu tun. Gerade deshalb lassen sie sich auch zu einem lesbaren Vorgang zusammenschieben. Wenigstens fünfzehn Rücktritte auf Bundes- oder Landesebene werden in Rimini Protokolls Radio-Feature angesprochen, dazu der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2006
Rubrik: Medien/TV, Seite 89
von Thomas Irmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eier auf Glatzen

Formbewusst in der Arbeit, analytisch scharf im Denken – das sind so Markenzeichen der Regisseurin Thirza Bruncken. Hartnäckiges Pusseln in den Unterschichten des Textes, Insistieren auf der pointierten Gestalt. Hier in Weimar, konfrontiert mit dem betulichen Familienschwank des gerade zwanzigjährigen Goethe, muss ihr die Entschlossenheit zur strengen Form...

Ortserkundungen erhöhen die Menschenkenntnis

Bochum, ich häng an dir.» Das geht immer noch tief rein ins Ruhr-Gemüt. Mit dem Grönemeyer-Song punktet jeder an der Königsallee in ehemals «4630 Bochum». Fünf Intendanzen ist es her, dass der Sänger des Liedes, das es da noch nicht gab, am Bochumer Schauspielhaus engagiert war. Drei Jahrzehnte später, an einem Abend im Mai 2006, steht ein anderer...

Der Künstler und sein Apparat

Es war Walter Filz, Preisträger des 50. Hörspielpreises der Kriegsblinden, der 2001 in seiner Dankesrede den Vorstellungen seiner Vorgänger, was denn das Radio sei, nachging. Das Ergebnis war erschütternd. «Eine mechanische Ap­paratur» sei es, durch das man «eines Tages die Fähigkeit der Wahrnehmung differenzierter Töne» verlieren könnte (Heinz Oskar Wuttig, 1954)....