Selbstverständlich neu
Antigone hat ein Problem. Das hat sie seit mehr als 2400 Jahren, als Sophokles ihre Geschichte aufschrieb. Aber jetzt ist die Lage wirklich prekär. Ihr Bruder verübte einen Selbstmordanschlag auf das Haus, in dem sie mit Haimon und ihrem Schwiegervater Kreon wohnt; dieser mutiert vom demokratischen Präsidenten zum angstzerfressenen Diktator, sie von einer gemäßigten Muslima zu einer radikalen. Doch ganz abgesehen von der Frage, wie man einen Attentäter beerdigen will, der sich gerade mit ein paar hundert Kilo Sprengstoff pulverisiert hat, ist Antigones Dilemma ein theatrales.
Sie verschwindet, nachdem alle Details des Anschlags offenbar werden, als Figur und taucht als Projektionsfläche wieder auf. Antigone im Video- und Mediengewitter, Antigone als mögliche RAF-Ikone, Antigone als Freiheitskämpferin, Antigone rettet Europa vor dessen Ignoranz.
Als Anfang der neunziger Jahre die ersten sogenannten postdramatischen Stücke auftauchten und das Theater als ästhetische Anstalt darauf reagieren musste, steckte Yael Ronen, die Regisseurin dieser «Antigone», gerade in der Pubertät. Inzwischen haben die Stadttheater die einst in der Freien Szene entstandenen performativen Ausdrucksformen ...
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Die Landschaft ist ähnlich, die Menschen sind es nicht. Ieva kommt aus dem ländlichen Litauen nach Schleswig-Holstein als eine Art Erwachsenen-Au-pair in die Familie Leysing. Daheim hat der Bruder den Hof der Großmutter verspekuliert und möchte auf diesem Weg die Schwester in Sicherheit bringen. Der wilde Osten weht aus dieser Geschichte, natürlich auch als...
2007 war das Jahr der Patrycia Ziolkowska: Auftritt in Luk Percevals «Molière»-Passion bei den Salzburger Festspielen, Eröffnungspremiere am Schauspiel Köln mit einer fulminanten Kriemhild-Kür, für die sie zusammen mit Kollegin Maja Schöne (als Brunhild) vor kurzem den Preis des neu ausgerichteten NRW-Theatertreffens erhielt, und der europäische Filmerfolg von...
David checkt seine Mails. Das bleiche Licht des Bildschirms färbt sein Gesicht gespenstisch. Und das nicht von ungefähr, denn David (Andrea Bettini) gehört zur Gattung der Untoten, Untergruppe: einsamer Mann Mitte 40, im Geschäftsleben erfolglos, im Gefühlsleben erkaltet. Mit Liegestütz und Sit-ups beweist er sich, dass noch Energie in ihm steckt. Nebenher...
