Sein eigenes Universum
Herbert Achternbusch war nicht einfach, und er hat es auch niemandem einfach gemacht. 1938 als unehelicher Sohn im stockkatholischen Bayern geboren, von der Mutter umstände-, aber teilweise wohl auch empfindungshalber zu den Großeltern im ärmlichen Bayerwald gegeben und dort aufgewachsen. Die Mutter, die sich als Sport-, Schwimm- und Tennislehrerin in München durchschlug, durfte er nur in den Ferien besuchen.
In «Kopf und Herz» von 2005 hat er ihr und ihrer beider kompliziertem Verhältnis ein spätes Monolog-Denkmal gesetzt und sich eine weitere literarisch-dramatische Autobiografie geschenkt (abgedruckt in TH 10/2005).
In Mietraching hinter Deggendorf lernte er kennen, was seine Romane, unzähligen Texte, 30 Stücke und vielen Filme seit Anfang der 1970er Jahre umtrieb: (nieder-)bayerische dörfliche Milieus, katholisch und patriarchalisch dominiert, die Frauen keinen Lebensraum ließen und Außenseitern noch weniger. Ihre beschädigten Menschen, zerriebenen Identitäten, deren Glückssehnsucht trotzdem nicht umzubringen ist, waren sein Thema. Da sammelten sich der Hass, die Wut und der anarchische Freiheitswille, den Achternbusch lebenslang kultiviert hat. Seine Sympathie galt ...
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Theater heute März 2022
Rubrik: Akteure, Seite 20
von Franz Wille
Im Nürnberger Museum für Kommunikation kann man die Schauspielerin Julia Bartolome auf einer riesigen Leinwand stumm sehen. Sie macht da Miene zu den verschiedensten Stimmungen, zu denen der Mensch, wenn er sich nonverbal ausdrücken möchte, fähig ist. Sie hat Angst, freut sich, trauert, ist überrascht, wütend, sie ekelt sich und verzerrt ihre Züge vor Schmerz. Ein...
Den Anfang machen ein paar harmlose Fragen. Ob man seinen Job verloren habe. Ob sich die Miete verdoppelt oder der Vermieter einen rausgeworfen habe. Ob man eine Versicherung habe. Das nächste Set, «Der Schlüssel zum Glück», erzählt von einem ausgebeuteten Barkeeper, der, als sein ohnehin gesetzeswidriger Untermindestlohn ausbleibt, nach und nach das Mobiliar...
Molière spielt Molière. Das ist das «Stegreifspiel in Versailles», in dem Molière 1663 vor Ludwig XIV. sich selbst spielte, wie dieser fiktive Molière einen Komödienautor spielt, der ein Stück geschrieben hat, in dem er seine Schauspielerkollegen karikierend imitiert. Diese Selbstbezüglichkeit ist das Grundprinzip von Frank Castorfs Kölner «Molière»-Projekt: «Ich...
