Auf der Suche nach der wahren Illusion

Herbert Fritsch zeigt Georges Feydeaus «Champignol wider Willen» an der Schaubühne, Sebastian Hartmann inszeniert «Hunger. Peer Gynt» nach Knut Hamsun und Henrik Ibsen am Deutschen Theater Berlin

Die Lüge gibt es bekanntlich in unterschiedlich großem Zuschnitt. Meist hat sie kurze Beine und hoppelt als lässliche Schummelei daher. Manchmal wächst sie sich zu etwas Größerem aus, zum echten Trugbild, zum Bluff, zum Lügengespinst womöglich. Da streift sie dann schon die Sphäre des Künstlerischen.

Aber nur ganz selten zeigt sich die elementare Lüge, die Lüge im außermoralischen Sinne, von der Nietzsche sagt, in all unseren Sprachabstraktionen täuschten wir uns ganz grundsätzlich dar­über hinweg, dass das Verhältnis des Menschen zur Welt ein fluides, bildhaftes, metaphorisches, anthropomorphes ist: «Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind, Metaphern, die abgenutzt und sinnlich kraftlos geworden sind.» Wer aber diese tiefe Wahrheit der Illusion anrühren will, der muss der größte Lügner sein, ein Verflüssiger von Konventionen. Also ein Künstler. Denn zwischen Subjekt und Objekt gibt es nur «ein ästhetisches Verhalten», «eine nachstammelnde Übersetzung in eine ganz fremde Sprache».

Die Regisseure Herbert Fritsch und Sebastian Hartmann machen in ihren besten Arbeiten, und derer gibt es viele, dieses elementare Täuschungsverhältnis erfahrbar. ...

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Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 9
von Christian Rakow