Auf der Suche nach der wahren Illusion
Die Lüge gibt es bekanntlich in unterschiedlich großem Zuschnitt. Meist hat sie kurze Beine und hoppelt als lässliche Schummelei daher. Manchmal wächst sie sich zu etwas Größerem aus, zum echten Trugbild, zum Bluff, zum Lügengespinst womöglich. Da streift sie dann schon die Sphäre des Künstlerischen.
Aber nur ganz selten zeigt sich die elementare Lüge, die Lüge im außermoralischen Sinne, von der Nietzsche sagt, in all unseren Sprachabstraktionen täuschten wir uns ganz grundsätzlich darüber hinweg, dass das Verhältnis des Menschen zur Welt ein fluides, bildhaftes, metaphorisches, anthropomorphes ist: «Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind, Metaphern, die abgenutzt und sinnlich kraftlos geworden sind.» Wer aber diese tiefe Wahrheit der Illusion anrühren will, der muss der größte Lügner sein, ein Verflüssiger von Konventionen. Also ein Künstler. Denn zwischen Subjekt und Objekt gibt es nur «ein ästhetisches Verhalten», «eine nachstammelnde Übersetzung in eine ganz fremde Sprache».
Die Regisseure Herbert Fritsch und Sebastian Hartmann machen in ihren besten Arbeiten, und derer gibt es viele, dieses elementare Täuschungsverhältnis erfahrbar. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Jubiläumshymnen sind gesungen, der Sekt ist geflossen, das Konfetti nach der großen Gala auf der Berliner HAU2-Bühne zusammengefegt worden: Zeit, sich nach den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des vielleicht erfolgreichsten Gießener Performancekollektivs noch einmal in das zu diesem Anlass erschienene Buch zu vertiefen. «Sich selbst fremd werden»...
Von Sorge zu Sorge spannt sich dieses Faustens Lebensbogen, spannt sich dieser sechsstündige Leipziger Erlebnisabend, der mit «Faust II» anhebt, den «Faust I» durchreist, ein poetologisches Puppenspiel zur Erklärung von Goethes Hauptwerk einschaltet, bald das Publikum entlang von «Faust»-Motiven auf Erkundungstouren durch die Stadt schickt, um gegen Mitternacht auf...
«Man will doch nicht von einem Gerät umgebracht werden», poltert Peter Anders. Er muss es wissen, der Mann hat gedient. Sätze wie dieser, die schon in sich so komisch widersprüchlich sind, dass man sich wundert, dass am Ende der Punkt hält, gehen beim Lesen des erklärfreudigen Kampfroboter-Kammerspiels «Im Schatten kalter Sterne» von Christoph Nußbaumeder fast...
