Seid kauzig
Es gibt nichts Schöneres als junge Menschen, die voller Enthusiasmus und Energie Theater spielen. Aber unter uns: Wenn es nicht gerade die eigenen Kinder sind, die sich auf Schul- oder Kitabühnen austoben, ist diese Behauptung reine Heuchelei. Ein gutes Beispiel für die Wirkungsgrenzen von Jugendfrische und Kreativität kann man derzeit in den Kammerspielen des Deutschen Theaters bestaunen.
Dort hat Nurkan Erpulat, der Überraschungs-Regiestar der Saison («Verrücktes Blut»), für «Clash» die derzeit erforderlichen Erfolgszutaten miteinander vermengt: ein interkulturelles Ensemble aus
jugendlichen Berlinern und eine Stückentwicklung, die sich anhand des Science-Fiction-
Klassikers «Planet der Affen» satirisch mit Thilo Sarrazins nassforscher Integrationsforderung auseinandersetzt.
Dazu teilen die 17 Amateure sich auf in «Helden» und «Primitive» (Hartz-IV-Empfänger in Trainingsanzügen aus lila Ballonseide), die sich nach einer Notlandung in die vermeintlich niedrigere Zivilisation der Affen integrieren müssen. Letztere verehren Guru Sarrazin – eine gelegentlich vom Bühnenboden schwebende Schnauzbartpuppe – und wenden seine Geheimlehre (erfolgreich) auf die Menschheit an. Vor dieser ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Eva Behrendt
Andreas aus Braunschweig hat 14 Jahre Musikwissenschaft studiert und ist dann nach Paris gegangen. Promovieren, sagt er. Inzwischen lebt er auf der Straße, kann aber trotzdem Verdis «Macht des Schicksals» nach Tonarten brillant analysieren und setzt zur melancholisch-düsteren Passage in e-Moll die erste oder auch schon fünfte Molle an. Dass der verpfuschte Begabte...
Eine «Wohlfühlkonferenz über allgemeine Zukunftsfragen» könnte es werden. Zuerst einmal geht es für die Dolmetschhamster in ihren schallisolierten Zellen allerdings darum, ob die Räuspertaste funktioniert und die Chinesen vielleicht doch noch kommen. Sie kommen dann natürlich nicht, die Chinesen, dafür erscheint einer der Minister und gibt dem Kollegen aus Spanien...
Man muss die vier Schauspieler, vor allem Klaus Brömmelmeier als Lenglumé, dafür bewundern, wie präzis und atemlos flott das alles vonstatten geht, dieser unendliche Unsinn. Wie satt und sauber da jedes Wort sitzt, wie dicht da eins ins andere fällt, genauso wie das Wohnzimmer der Lenglumés zu Beginn, das nicht auf der Bühne (von Thilo Reuter) steht, sondern mit...
