Hamster in der Box
Eine «Wohlfühlkonferenz über allgemeine Zukunftsfragen» könnte es werden. Zuerst einmal geht es für die Dolmetschhamster in ihren schallisolierten Zellen allerdings darum, ob die Räuspertaste funktioniert und die Chinesen vielleicht doch noch kommen. Sie kommen dann natürlich nicht, die Chinesen, dafür erscheint einer der Minister und gibt dem Kollegen aus Spanien endlich Gelegenheit, den Simultantorero auszupacken. Er darf mit zu einem der streng geheimen Hintergrundgespräche, bei denen genau so wenig rumkommt wie vorne an der Konferenzfront.
Dass er dennoch mit stolzgeblähter Brust auf dolmetschende Newcomer herabblickt, gehört genau zum Repertoire einer Zunft, die sich mit Journalisten natürlich auf keinen Fall einlassen darf. Schließlich ist man Geheimnisträger.
Kathrin Röggla recherchiert nicht nur journalistisch akribisch, sie interessiert sich auch für den dramatischen Faktor «Mensch». Das ist auch im Fall von «die unvermeidlichen» so, obwohl Simultandolmetscher ja eigentlich «nur» dem Sprechtempo eines Redners folgen sollen. Interessanterweise hat Marcus Lobbes sich jedoch weniger auf den emotionalen Untergrund des Röggla-Textes eingelassen, sondern die in der ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Jürgen Berger
Von einer Übersiedelung nach Marseille ist dringend abzuraten. Zumindest wenn man sich die Fallbeispiele auf der diesjährigen Berlinale vor Augen führt. In Jan Krügers Forumsbeitrag «Auf der Suche» erleidet Volksbühnen-Novize Trystan Pütter in der Rolle eines ausgewanderten Arztes in der sonnig grauen Mittelmeerstadt den totalen Selbstverlust: Drogen, Affären mit...
Matthias Lilienthal, 1992–1999 Chefdramaturg an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz unter Frank Castorf, Programmdirektor für «Theater der Welt 2002» in Bonn, Düsseldorf, Köln und Duisburg. Seit September 2003 ist er künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des HAU. Das Regiekollektiv Rimini Protokoll zeigt und erarbeitet kontinuierlich Produktionen am HAU...
Zu Beginn noch einmal einer dieser magischen Momente, die das Theater des Dieter Dorn in den 1980er Jahren (damals noch an den Münchner Kammerspielen) berühmt gemacht haben: Die leere Bühne, aufgerissen bis zur weißgetünchten Brandmauer, ein wenig Nebel über den Brettern, so dass einen prä-paradiesischen Augenblick lang an diesem wüsten Ort alles möglich scheint....
