Hochglanz-Fasching

Eugène Labiche «Die Affäre Rue de Lourcine» (Schiffbau)

Theater heute - Logo

Man muss die vier Schauspieler, vor allem Klaus Brömmelmeier als Lenglumé, dafür bewundern, wie präzis und atemlos flott das alles vonstatten geht, dieser unendliche Unsinn. Wie satt und sauber da jedes Wort sitzt, wie dicht da eins ins andere fällt, genauso wie das Wohnzimmer der Lenglumés zu Beginn, das nicht auf der Bühne (von Thilo Reuter) steht, sondern mit einer riesigen, dem Publikum entgegenstürzenden Wand auf selbige fällt. Wie da quasi der Schwank nicht mit der Tür ins Haus, sondern mit dem Wohnzimmer ins Theater fällt.

Es gibt da nach ein paar einlullenden urbanen Techno-Projektionen auf eben diese Wand einen Rumms, einen Luftzug, dass einem die Haare zu Berge stehen, und eine Staubwolke, bestehend aus dem großbürgerlichen Verlogenheitsmief des Salon Lenglumé und dem gesellschaftlich recht ähnlich gelagerten Puder der Damen im Parkett.

Aber wozu? Im Boden versinken möchte man ja bereits beim Auftritt der ersten Figur, Butler Justin nämlich (Jan Bluthardt), der eine Negermaske tragen muss mit roten Wulstlippen und der auch reden muss, als wäre er einer jener dauernd gutgelaunten Domestiken aus alten Filmen. Das kann dann noch so sehr mit Kolonialisierungskritik oder so zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2011
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Simone Meier

Weitere Beiträge
Tragödie auf der Couch

Die Herren stehen etwas verschüchtert im Halbkreis und blicken freundlich betreten nach allen Seiten. Kein Wunder, schließlich sind die meisten von ihnen zwar bühnenerfahren, aber keine Schauspieler: nämlich die netten Jungs der Hamburger Nette-Jungs-Band Kante. Jetzt dürfen sie in Friederike Hellers «Antigone» zwar ihre Instrumente mitbringen und wie im...

Hamster in der Box

Eine «Wohlfühlkonferenz über allgemeine Zukunftsfragen» könnte es werden. Zuerst einmal geht es für die Dolmetschhamster in ihren schallisolierten Zellen allerdings darum, ob die Räuspertaste funktioniert und die Chinesen vielleicht doch noch kommen. Sie kommen dann natürlich nicht, die Chinesen, dafür erscheint einer der Minister und gibt dem Kollegen aus Spanien...

Die blonde Bombe

Journalisten haben böse Ausdrücke dafür, wenn einer, wie sie sagen, «die Tinte nicht halten kann», und das ist schon selbst einer dieser bösen Journalisten-Ausdrücke. Die Not der Verknappung kennen auch die dar­stellenden Künste. Am kürzesten ist das Prokrustesbett des Ausdrucks im Film, und das ist ein Grund, warum der Schauspieler Joachim Meyerhoff so gut wie nie...