Sei deine Legende
Der Titel ist eine Ansage: «Karl May», Weltbestseller-Autor aus ärmlichsten Verhältnissen, dessen Männer-Helden um Old Shatterhand, Winnetou, Kara Ben Nemsi et al. nicht nur in postkolonialen Seminarräumen bei bloßer Erwähnung die Neonröhren zum Flackern bringen. Fröhlicher Kolonialismus, kulturelle Aneignung, toxische Männlichkeit, you name it. Es braucht heute keine Silberbüchse mehr, um den sächsischen Geschichtenerzähler zur Strecke zu bringen.
Enis Maci und Mazlum Nergiz wissen das längst und nicken in ihrem Stück die allfälligen Anwürfe, wenn überhaupt, eher nebenbei pflichtschuldig ab. Ihr Text interessiert sich an mehreren lose verknüpften Beispielen mehr für das Phänomen an sich: Wie man als gesellschaftlicher Underdog seine unerreichbaren Träume erfolgreich in Legenden verwandelt, die ihre eigene Wahrheit entwerfen. Und wie – das wäre schon die gewagtere These – sich in diesem Trivialgeschichtenmüll Ereignisse verstecken, die in zukünftige Katastrophen münden. Etwas angestrengt hochtrabend mit den Worten, die in der Uraufführung (Regie Maci/Nergiz) Martin Wuttke vertritt: «Wir bewegen uns auf den Ruinen der Vergangenheit oder in der Kulisse eines in Zukunft noch zu ...
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Theater heute Februar 2024
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Franz Wille
Dieser Kostja kann einstecken. Der Nachwuchskünstler zuckt mit keiner Wimper, wenn seine Mutter, die berühmte Schauspielerin Arkadina, aller Welt vorführt, was für ein Baby er doch ist. Maja Beckmann baut sich gegenüber dem einen Kopf größeren Benjamin Lillie auf, packt sein Kinn, schiebt seine Wangen zu sich herunter, so dass sie die Lippen zum pausbäckigen...
Ein Ende. Das war es, was sich Frankfurt am Main an diesem Tag, dem 14. Dezember 2023, wünschte. Oder zumindest wünschten sich das seine Stadtverordneten, seine größte Zeitung und sein Oberbürgermeister Mike Josef. «Ich fände es gut, wenn wir in dieser Stadt auch mal etwas zu Ende bringen würden», hatte der in einer Debatte gesagt, die eine Woche vorher im...
Vor ein paar Jahren, genauer 2015, wurde der Text als Romanhoffnung gefeiert, im Frühjahr 2023 brachte ihn Charly Hübner erfolgreich auf die Leinwand: «Sophia, der Tod und ich», das Debütwerk des «Tomte»-Sängers Thees Uhlmann. Auf den Theaterbühnen präsent ist der Stoff seit 2017. Da inszenierte Tilman Gersch am Schauspiel Essen die Uraufführung. Seither taucht das...
