Die Kunst der Bühne

Theater heute - Logo

Der Name klingt holprig und ist zudem schief. «Bühnenbild» – eines jener deutschen Doppelworte, das zwei Begriffe, die nicht so recht zusammenpassen, schamlos hintereinanderhängt in der Hoffnung, dass die dadurch erreichte Verwirrung ausreicht, von unangenehmen Nachfragen abzuhalten. Mit Bildern jedenfalls hat das, was auf den interessanteren deutschen Bühnen neben oder hinter den Schauspielern zu sehen ist, nur sehr wenig zu tun.


In den letzten drei, vier Jahrzehnten haben sich die Ansprüche von Theaterleuten und Publikum an die – nehmen wir mal ein Fremdwort – «Szenografie» wesentlich geändert. Die Nachlässigkeit gegenüber einem neben der Schauspie­lerei und der Regie oft als zweitrangig empfundenem Kunst(gewerbe) ist inten­siver Aufmerksamkeit gewichen. Das «Bühnenbild» gilt als gleichwertiger, integraler Bestandteil der Aufführung. Ein ungeachtet von Stück und Inszenierung gleichbleibender «Stil» des Ausstatters genügten nicht mehr den spätes­tens in den Sechzigern aufkommenden Erwartungen, dass der Bühnenbildner Mit-Autor einer Inszenierung sein solle.
Und wer kennt die Bühnenbildner besser als Dramaturgen, die ebenfalls an der Schnittstelle zu Regie und Schauspielern ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2006
Rubrik: Die Kunst der Bühne, Seite 32
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aufstieg zu den Müttern

Geister machen gewöhnlich nachts auf sich aufmerksam. Klopfgeräusche aus dem Schrank oder Geheul im westlichen Flügel sind immer ein Hinweis darauf, dass in der Vergangenheit noch eine Angelegenheit offen ist. Man kann damit locker umgehen und das Gespenst zu dem Familienmitglied erklären, das es meistens ohnehin ist. Oder man kann sich fürchten, dann gehört die...

Ortserkundungen erhöhen die Menschenkenntnis

Bochum, ich häng an dir.» Das geht immer noch tief rein ins Ruhr-Gemüt. Mit dem Grönemeyer-Song punktet jeder an der Königsallee in ehemals «4630 Bochum». Fünf Intendanzen ist es her, dass der Sänger des Liedes, das es da noch nicht gab, am Bochumer Schauspielhaus engagiert war. Drei Jahrzehnte später, an einem Abend im Mai 2006, steht ein anderer...

Aufschlag, Return, Einstand

Gelegentlich schreibt Marianne Freidig Excel-Dialoge, als gehe es um Zahlenkolonnen in Bankkonten. Da ist dann alles, was szenische Plaudertaschen so von sich geben können, parallel gelistet, als habe der Buchhal­ter eines alles andere als herrschaftsfreien Diskurses statistisch erfasst, wer hier gerade wessen verbale Geltungsansprüche nicht respektiert. Wechselt...