Schweigen als Waffe

Fatma Aydemir «Dschinns» am Nationaltheater Mannheim

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Dschinns sind im Islam Geistwesen aus einer Parallelwelt. Macht über die Menschen entfalten sie in Gestalt von Träumen und Angstbildern. In Fatma Aydemirs Gesellschafts- und Familienroman «Dschinns» – nominiert für den Deutschen Buchpreis 2022 – stehen sie als Metapher für alles Verdrängte und Totgeschwiegene.

 

Wie der Roman beginnt auch Selen Karas dreistündige Bühnenadaption und Inszenierung kurz nach der Beerdigung von Hüseyin, der, Ende 50 und kurz vor der Frührente, in seiner gerade erst gekauften und eingerichteten Eigentumswohnung in Istanbul einem Herzinfarkt erlegen ist. Nach 30 Jahren Schuften am Fließband der deutschen Industrie hatte er sich endlich seinen Lebenssehnsuchtstraum erfüllen können. Und so ziert die illuminierte Silhouette des Hauses, die Lydia Merkels Bühnenbild bestimmt, zu Beginn eine große schwarze Schleife – ironisch auf Geschenktes verweisend, aber auch auf Trauerflor. Gespielt wird durchweg unterm Dach dieses Hauses, im sparsam möblierten Wohnzimmer. Das Begräbnis als Erzählanlass löst wie von selbst einen Erinnerungsstrom aus, der immer auch ein Stück Vergangenheitsbewältigung bedeutet. Hier sind es die Ehefrau Emine und die vier gemeinsamen, aus ...

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Theater heute 12 2022
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Verena Großkreutz

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