Schrill-frivol und unnahbar kühl

Joe Masteroff, John Kander, Fred Ebb «Cabaret», nach Marie NDiaye «Die Rache ist mein» (U) im Schauspiel/Staatstheater Stuttgart

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Das Musical «Cabaret» passt trefflich in den berlin-babylonischen Hype, der vom deutschen Film längst in die Theater geschwappt ist. Und natürlich auch dank seiner Hits ist das Stück ein Garant für volle Häuser. So auch jetzt am Stuttgarter Schauspiel, das mit Calixto Bieito einen Regisseur engagiert hat, der sich auskennt in der auch hintergründigen Thematisierung von Gewalt auf der Bühne. Schließlich spielt das Stück in der präfaschistischen Atmosphäre zu Beginn der 1930er Jahre.

Auf die naturalistische Darstellung blutverspritzender Gewaltszenen verzichtet Bieito, genauso wie auf Hakenkreuzsymbolik und braune Uniformen. Aber in Sachen 1920er-Jahre-Plus-Fummel durfte sich die Kostümbildnerin Paula Klein austoben.

«Cabaret» ist in Stuttgart eine textlich stark gekürzte, schrill-frivole Nummernrevue mit eingebauten, knappen, meist recht platten Dialogszenen. Befeuert wird sie vor allem durch nette Tanzchoreografien, für die das Haus professionelle Tänzer:innen engagiert hat, sowie durch allerlei Travestieeinlagen. Die eigentlich zentrale Liebesgeschichte zwischen dem Schriftsteller Clifford Bradshaw und der Sängerin Sally Bowles gerät blass und belanglos, während jene zwischen der ...

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Theater heute Juni 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Verena Großkreutz

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