Norway forever
Zu den Frankfurtern und Frankfurt, wo Anne Müller seit fast drei Jahren lebt und Theater spielt, hat sie eine Theorie: zu viele Menschen auf zu wenig Platz. Deshalb wird so in die Höhe gebaut, sind die Bürgersteige so schmal, die Straßen so eng. «Das macht die Menschen hier so, wie sie sind. Es geht gar nicht ohne Rempeln. Man darf das nicht persönlich nehmen, diese Ruppigkeit. Denn eigentlich sind Menschen ja liebenswert.» Und natürlich absurd, «absurd schon».
Und außerdem gibt es ja auch noch das Andererseits: Die Frankfurter rempeln, stellen sich aber in die U-Bahn-Tür, damit die offen bleibt, wenn gerade noch einer angerannt kommt. «Und das hab ich sonst wirklich noch nirgendwo erlebt.»
Ungefähr so, wie sie auf die Frankfurter schaut, blickt Anne Müller auch auf ihre nicht immer netten, aber liebenswerten Figuren: als Ursachenforscherin mit dem Blick fürs Andererseits, denn: «Eindeutigkeit ödet.»
Das Weiße im Auge
Ein schönes Beispiel für dieses Schillern ist die Abigail in Martin Nimz’ zwei Jahre alter Inszenierung der «Hexenjagd» von Arthur Miller. Undurchschaubar – lauernd?, ängstlich? – der Blick aus wasserblauen Augen, wenn sie sich, ganz vorne an der Rampe, anhört, was ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Die Schauspieler des Jahres, Seite 126
von Barbara Burckhardt
Eine Krise ist immer eine gute Sache. Wenn das Theater sich selbst abschafft, dann werden wir dieses Schauspiel genießen. Untergang ist überhaupt das beste Schauspiel.» (Boris Groys) Im Berliner Landwehrkanal, in den im Januar 1919 – wie in Brechts «Ballade vom ertrunkenen Mädchen» poetisiert – die ermordete Rosa Luxemburg geworfen wurde, dümpelt 2008 ein...
Am 9. November 1989 feiert eine Gesellschaft in der franko-kanadischen Provinz Quebec Geburtstag: den von Aimée. Die junge Frau ist schwanger – und sie hat einen Tumor im Gehirn. Mehr noch, während ihrer epileptischen Anfälle fällt sie gleichsam aus der Zeit, erinnert Geschehnisse aus dem Jahr 1917, nennt den Namen eines französischen Soldaten – Lucien. Die nächste...
Was für ein schöner Titel: «Theater des Jahres 2008». Dankeschön, liebe Kritiker! Wir werden dieses Prädikat feiern, und Bernd Wilms, der im Abgehen ausgezeichnete Intendant, wird zum Anstoßen auf seiner alten West-Ost-Route von Charlottenburg nach Mitte in die Schumannstraße geradelt kommen. Glückwünsche werden jederzeit gerne entgegengenommen, unsere Grafik...
