Schicksalsfragen
Für Drehbuchautorin Melanie ist der Fall klar: Der Schwarze Schausteller Ricardo hat seinen ebenfalls Schwarzen, aber weiß gelesenen Zwillingsbruder Timo deshalb im Streit erstochen, weil sich hier die strukturelle Gewalt der weißen Vorherrschaft auswirkt. Irgendwelche genetischen Zufälle haben ihnen zwar unterschiedliche Hautfarben mitgegeben, aber «die beiden kommen aus der gleichen Gebärmutter, haben dieselbe abgefuckte Fa -miliengeschichte, die gleiche Armut, wachsen im selben hässlichen Häuserblock auf».
Deshalb folgert Melanie messerscharf: Ricardo und Timo hatten aufgrund ihrer Hautfarbe grundverschiedene Leben. «Damit kann man diese rassistischen Strukturen entlarven … Ricardos Kriminalisierung ist rassifizierte Kontinuität. Ich weiß es.»
Melanie ist Schwarz, topfit in Critical Race Theory und anwendungsorientiert. Sie interpretiert Ereignisse ausschließlich aus dieser Theorieperspektive, und wenn ein Fall doch nicht so richtig passt, ist schon vorgekommen, dass sie ihn passend gemacht hat. Als sie noch Journalistin war, wurde eine Reportage von ihr über einen weiß gelesenen Schwarzen, der zum Neonazi geworden ist und seine weiße Mutter zusammengeschlagen hat, mit mehreren ...
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Theater heute April 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Franz Wille
Ein Unbekannter kommt nach dem Dreißigjährigen Krieg ins Dorf, um sein Erbe anzutreten: ein halb eingefallenes Bauernhaus, ein Stück Land mit Acker und Wald. Der schmächtige Mann zeigt seine Papiere, erklärt knapp, warum er woanders aufgewachsen ist als sein ferner Verwandter und kaut auf einer Gewehrkugel herum, die er um den Hals trägt. Diese Kugel, erzählt er...
– bürgerlicher Name Volkhart Armin – war Maler, Fotograf, Choreograf, Performer, Tanztheaterleiter und manches mehr. Der systematische Gesamtkunstwerker hat einige der radikalsten und konsequentesten Grenzüberschreitungen zwischen den Künsten der letzten 50 Jahre entworfen, wobei Grenzüberscheitung auch nicht das richtige Wort ist, weil er sich um Grenzen ohnehin...
ANTWERPEN, M HKA
bis 17. Mai 2026, COSMIC BODY. First Incision
Am M HKA präsentiert Stef Van Looveren «COSMIC BODY. First Incision», eine site-spezifische Performance, in der Museum, Körper und Materialien zu einem ritualisierten, performativen Raum verschmelzen. Die Arbeit erforscht Verwandlung, Identität und körperliche Präsenz im Kontext queer-nonbinärer...
