Schni, schna, schnappi
Es ist ein hübsches Gedankenexperiment, wie es schon John Lennon in seinem Song «Imagine» besungen hat: Eine Welt ohne Himmel und Hölle, ohne Religion und nationalstaatliche Grenzen, ohne Kriege, Hunger und Ungerechtigkeit. Kurzum: Eine Welt, nach der wir uns alle sehnen, die aber aufgrund von globaler Pandemie, rechtsnationalem Backlash und Klimakrise kaum vorstellbar ist. Dennoch möchte es das sechste Monologfestival am TD Berlin wagen, genau in diese Richtung zu denken und «Fantastische Zeiten» zu imaginieren, die uns aus der gegenwärtigen Resignationsschleife herauskatapultieren.
So verspricht es zumindest die catchy gestaltete Homepage der diesjährigen Ausgabe, die innerhalb von elf Tagen zehn Premieren im ehemaligen Fernmeldeamt nahe dem Berliner Alexanderplatz präsentiert. Darunter Monologe und Tanzperformances, bei denen der künstlerische Ausdruck des Einzelnen im Mittelpunkt steht.
Doch wie könnten diese «Fantastischen Zeiten» aussehen? Das Ding ist ja, dass wir den hausgemachten Problemen nicht entfliehen können – es sei denn, wir heißen Elon Musk oder Jeff Bezos, denen es möglich ist, aufgrund ihres Reichtums einfach mal so in den Weltraum zu jetten. Wir Normalos ...
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Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Festivals, Seite 39
von Anna Fastabend
Ein Zaubertrick zum Festivalauftakt: Performerin und Tänzerin Maija Karhunen liegt auf der Bühne zwischen kreisenden Lichtkegeln und fischt nach Objekten: Schal, Notizbuch, Feuerzeug – allesamt im Foyer vom eintrudelnden Besucher eingesammelt, der da schon ahnen konnte, in «Ajima» selbst noch eine Rolle zu spielen. Karhunen greift Gegenstände, findet die...
Manchmal träumt Nina nachts von endlosen Menschenschlangen, in denen eine Frau nackt hinter der anderen steht. «Das Einzige, was ich weiß, ist, dass es Mütter und Töchter sind. (…) Das verstehe ich an der Art, wie sie aneinander vorbeischauen. Aber sie suchen sich.» Vielleicht deshalb erzählt Ninas Mutter Tatjana auch nicht ihrer eigenen, sondern der Tochter ihrer...
Wäre Covid-19 so tödlich wie die Pest, würde sich wohl noch der verpeilteste Aluhutträger lieber heute als morgen impfen lassen. Man kann die Krankheiten also nur sehr bedingt miteinander vergleichen. Dennoch sind Pest-Romane die Bücher der Stunde; das gilt auch für Mary Shelleys «The Last Man» von 1826, der passenderweise erst Anfang des Jahres in einer neuen...
