Schneider, Monroe, Deneuve

Scharfe Füße!», schwärmt Michael Weidt, ein Spätberliner mit grauer Langhaarfrisur, offensiv in die Kamera. Es wird nicht seine letzte detaillierte Verneigung vor der Schauspielerin Jenny Gröllmann bleiben, mit der er seit Schweriner Kindertagen eng befreundet war. Vorerst aber kommt Gröllmanns früherer Lebensgefährte Thomas Goguel zu Wort, um klarzustellen, dass es nicht nur die Füße waren: «Mann, hat der ’ne scharfe Braut», seien sämtliche Rekruten diagnostisch übereingekommen, als die Schauspielerin ihn in den späten Sechzigern bei der Armee besuchte.

Theater heute - Logo

«Sie war nicht der Kumpel­typ», bestätigt auch Jaecki Schwarz, Gröllmanns Partner in diversen DEFA- und Nachwende-TV-Produktionen, bevor sein Kollege Hermann Beyer das Sujet in abstraktere Gefilde hebt: «Richtung Romy Schneider, würd’ ich denken.» Es ist dann an Michael Gwisdek, das Spektrum noch ein wenig zu erweitern: «Monroe, Deneuve – das war Jenny in der DDR.»

Lassen wir das mal so stehen.

Schließlich lehnt sich Gwisdek ja dann in seinem Gartenstuhl vor malerisch blühender Sommerkulisse zurück und sagt zwei Sätze, die Petra Weisenburgers Filmporträt «Ich will da sein» treffend charakterisieren: «Jenny – det is eben Jenny Gröllmann. Und das war einmalig.» Denn tatsächlich muss man sich die Dokumentation als eine einzige tautologische Beschwörung dieses Statements vorstellen: Hier wird wieder und wieder besiegelt, dass die Schauspielerin einfach eine absolute Ausnahmeerscheinung war – Punkt. Niemand sagt, geschweige fragt – warum und inwiefern. Spätestens zur Hälfte des Films ist man sich sicher, all die Komplimen­te, die hier zu Jenny Gröllmann gedrechselt werden, auch schon mal über ihre DEFA-Kollegin Annekathrin Bürger gehört zu haben.

(Oder war es Angelica Domröse?)

Man hätte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2008
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Christine Wahl

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Osteuropa kann den Westen zum Frühstück verspeisen»

Franz WilleMögen Sie Flughäfen?

Tena StivicicFrüher schon, so vor zehn Jahren, als ich anfing, öfter zu reisen. Flughäfen fand ich sehr romantisch. So viele Menschen, die kommen und gehen, man weiß nie, wen man gerade trifft. Damals sind noch viel weniger Leute geflogen, das hatte fast noch etwas Dekadentes. Und  verglichen mit Zügen und Bussen, besonders in meinem...

«Wer vögelt, hat mehr vom Schlagen»

Schweindi Sei doch nicht so streng, Hasi, was soll denn unser Sohn über die Welt denken, wenn er das hört. Wir sind doch Familienmenschen, eine richtig einheimische Familie. Wir sind gefühlvolle Menschen und müssen die Worte nachsichtig einsetzen.

Hasi Da muss unserem Familienoberhaupt aber einmal das Schwänzchen himmelwärts aufsteigen, sonst ist es Essig mit den...

Heimatkunde am Rhein

Nicht nur der Titel klingt ein bisschen nach Love Story: «Kölner Affäre». Zumindest handelt es sich, wenn nicht gar um eine Liebesgeschichte, so doch um eine Beziehung. Eine ungewöhnliche Beziehung. Schon nach der kaum vollendeten ersten Spielzeit lässt sich zwischen Karin Beier, dem Schauspielhaus, der Stadt Köln und ihren Einwohnern eine solche Bindung...