Schmerzdame
Das erste Lothar-Gesicht, an das ich mich heute noch genau erinnere, gehört der gut zwanzigjährigen Suse. Sie spielt in Tankred Dorsts «Eisenhans» (1983) die behinderte Marga, die von ihrem Vater geliebt und missbraucht wird. Ein fatales Familiendrama aus dem Frankenwald, mit allen inzwischen aus Soaps und Reality-TV geläufigen, damals jedoch noch verstörenden Ingredienzien wie Alkoholismus, Inzest, Gewalt ... Für ihre Darstellung erhielt Susanne Lothar den Bundesfilmpreis. Auf einem Foto, das wie eine Ikone für den Film steht, streckt sie dem Betrachter die Zunge raus.
Ein Kobold, der eine Welt-Ikone – Albert Einstein – zitiert und doch ganz eigen und bei sich ist.
Film und Bild sah ich erst, nachdem ich Susanne Lothar schon auf der Bühne erlebt hatte – in Benjamin Korns Inszenierung von Marieluise Fleißers «Fegefeuer in Ingolstadt», 1980 am Hamburger Thalia Theater. Als «fröhliches Trampel» apostrophierte Rolf Michaelis sie in «Theater heute» (12/80) – und tatsächlich war Susanne Lothar damals ein eher dralles Kind-Mädchen. Sie spielte dann bei Korn in Hamburg gleich darauf die Recha in «Nathan der Weise», erhielt den erstmals verliehenen Boy-Gobert-Preis, spielte bei Jürgen ...
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Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Akteure, Seite 34
von Michael Merschmeier
Im ersten Raum sitzt ein Mann am Tisch und dreht einen Lolli zwischen den Fingern. Dort hingesetzt hat ihn unter dem Titel «Swap» («Tausch») der tschechische Konzeptkünstler Roman Ondak: Wer den Lutscher haben will, kann einen Gegenstand zum Tausch anbieten. Wenige Minuten später sind ein Filzstift, eine Visitenkarte, eine Banane, ein Pfandchip, eine Blechdose mit...
Auf die Idee hätte schon längst mal jemand kommen können: Im heißen Herzen der angesagtesten Kreativmeilen der Hauptstadt, wo nur die hipsten Hipster der internationalen Kunstszene operieren, also ungefähr ziemlich genau in der Pappelallee 15 am Prenzlauer Berg, wütet ein gefährliches Mainstream-Virus, das alle Gehirne infiltriert. Dieser phonetisch unscharfe...
Man muss sich Ödipus als einen geduldigen Mann vorstellen. In seinem langen Leben musste er schon manche Überraschung verkraften, und auch danach war ihm wenig Ruhe vergönnt. Sigmund Freud hat auf seinen mythologischen Schultern eine Schule errichtet, mit der er die Pathologien der Moderne erklären wollte, und für die Hinterfragungslust der Ideologiekritik gilt der...
