Liebesduell, egal?
Das Hamburger Schauspielhaus renoviert seinen Bühnenturm. Das heißt: Für die laufende Spielzeit muss das größte deutsche Sprechtheater auf seine Bühne verzichten. Als Ersatz wurde ein Großteil des Parketts überbaut, was angeblich ein ganz neues Verhältnis zwischen Zuschauerraum und Bühne herstellen soll. Zumindest bei der Eröffnung mit René Polleschs «Neues vom Dauerzustand» trifft das nicht zu – eigentlich wurde nur der Zuschauerraum merklich kleiner und niedriger, die Guckkastensituation nicht angetastet.
Bert Neumann hat die Bühne als wogende Prärielandschaft gestaltet, mit Weidezaun und Herrenhausruine vor blutrotem Himmel à la «Vom Winde verweht».
Inhaltlich bleibt die Südstaatenschmonzette aber Zitat. «Neues vom Dauerzustand» entpuppt sich vielmehr als Paraphrase von Nicholas Rays halbfeministischem Western «Johnny Guitar – Wenn Frauen hassen», genauer: als Liebesduell zwischen der Saloonwirtin Vienna (Sophie Rois) und der Landbesitzerin Emma (Christine Groß). Und auch wenn die Figuren während der gerade mal einstündigen Aufführung hin und wieder dekonstruktivistisch in Charakter, Thesenträger, Kommentar und Schau–spielerinnenkörper zerfallen – weitgehend hat es sich damit. ...
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Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Chronik: Hamburg, Schauspielhaus, Seite 53
von Falk Schreiber
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