Liebesduell, egal?
Das Hamburger Schauspielhaus renoviert seinen Bühnenturm. Das heißt: Für die laufende Spielzeit muss das größte deutsche Sprechtheater auf seine Bühne verzichten. Als Ersatz wurde ein Großteil des Parketts überbaut, was angeblich ein ganz neues Verhältnis zwischen Zuschauerraum und Bühne herstellen soll. Zumindest bei der Eröffnung mit René Polleschs «Neues vom Dauerzustand» trifft das nicht zu – eigentlich wurde nur der Zuschauerraum merklich kleiner und niedriger, die Guckkastensituation nicht angetastet.
Bert Neumann hat die Bühne als wogende Prärielandschaft gestaltet, mit Weidezaun und Herrenhausruine vor blutrotem Himmel à la «Vom Winde verweht».
Inhaltlich bleibt die Südstaatenschmonzette aber Zitat. «Neues vom Dauerzustand» entpuppt sich vielmehr als Paraphrase von Nicholas Rays halbfeministischem Western «Johnny Guitar – Wenn Frauen hassen», genauer: als Liebesduell zwischen der Saloonwirtin Vienna (Sophie Rois) und der Landbesitzerin Emma (Christine Groß). Und auch wenn die Figuren während der gerade mal einstündigen Aufführung hin und wieder dekonstruktivistisch in Charakter, Thesenträger, Kommentar und Schau–spielerinnenkörper zerfallen – weitgehend hat es sich damit. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Chronik: Hamburg, Schauspielhaus, Seite 53
von Falk Schreiber
Maria Becker, links als Elisabeth in «Maria Stuart» 1986, war eine «Königin im Formenreich», so der Kritiker Gerhard Stadelmaier: «Die Formen, die sie unnachahmlich herstellte, wurden ihr eigentlich mehr zu Partnern als die jeweiligen Kollegen, mit denen sie auftrat.
Es ging ihr, der herb Schönen, der mokant Unnahbaren, szenisch nichts wirklich nahe.» Man hat sie...
Die Engländer können ihr Glück nicht recht fassen. Sie sitzen hüfttief in ihrer Double-Dip-Rezession, und doch fühlt sich die Nation so gut wie seit Jahrzehnten nicht: Alle haben ein kollektiv-seliges olympisches Lächeln auf den Lippen. Zwar waren noch die letzten Vorbereitungen ein Fest logistischer Pannen und Peinlichkeiten, doch mit Danny Boyles eklektischer...
Kein zweiter Mythos der Menschheitsgeschichte bringt Liebe, Tod und Kunst zwingender zusammen als die Geschichte von Orpheus und Eurydike, dem Göttersohn und der Nymphe. Ovid hat sie in seinen «Metamorphosen» beschrieben, sie ist x-mal vertont, dutzendfach nacherzählt worden: Wie Eurydike, die geliebte Frau des gefeierten Sängers und Leierspielers Orpheus nach dem...
