Kopf hoch, barfuß, offen

Ibsen-Festival in Oslo: deutscher Schwerpunkt und ein neues Stück von Arne Lygre

Theater heute - Logo

Die Vergabe des hochkarätigen Ibsen-Preises an Heiner Goebbels ist auch Indiz für die besondere Beziehung des norwegischen Theaters zu deutschen Bühnenexperimenten. Ein neuer Schub der Einflussgeschichte seit etwa 2000 – von Volks- und Schaubühne bis zu Gastregisseuren wie Armin Petras und Sebastian Hartmann – war offenbar so prägend, dass es kaum überrascht, nun das halbe Ibsen-Festival mit deutschen Beiträgen bespielt zu sehen, mit «Stifters Dinge» und «Eraritjaritjaka» als überzeugendem Beweis für den Preisträger.

Rimini Protokoll eröffneten mit ihrem «Volksfeind in Oslo», einer weiteren Variation ihrer 100-Prozent-Städte-Serie, und der Frage, wer sich heute noch mit Dr. Stockmann identifizieren könne, um gegen die kompakte Majorität zu stehen. Nicht ganz unbrisant am Vorabend der Urteilsverkündung gegen Massenmörder Breivik, aber einen solchen Vergleich konnten Helgard Haug und Daniel Wetzel mit ihrem demografischen Fragespiel höchstens assoziativ anreißen – um dann doch eine ziemlich harmonisierte Oslo-Gemeinschaft abzubilden, der vielleicht Herbert Fritschs Horror-Puppen-«Nora» erst wieder einen Stachel bietet.

Großartig, so klein

Mit einer gänzlich anderen Methode geht der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Magazin: Ibsen, Seite 61
von Thomas Irmer

Weitere Beiträge
Ein Fall von Gastfeindschaft

Die vergangene Spielzeit am neuen Karlsruher Schauspiel stand im Zeichen großer, schwerblütiger Stoffe der Dramenliteratur. Auf Christian Dietrich Grabbes Schauerdrama «Herzog Theodor von Gothland» und Kleists «Die Hermannsschlacht» folgten die beiden ersten Teile von Franz Grillparzers «Das goldene Vlies»: ein Themenabend, in dem es um das Gebot der...

Die große Negation?

Die Musiktheoretiker Heinz Klaus Metzger und Rainer Riehn, damals Chefdramaturgen an der Frankfurter Oper, beauftragten John Cage in den 1980er Jahren mit einer «irreversiblen Negation» der Oper; einer Oper, mit anderen Worten, die jede weitere Oper fürderhin unmöglich machen solle. Da weder Cage noch Riehn und Metzger über die Exekutive verfügten, um die...

«Architektin ihrer Emotionen»

TH Andres Veiel, Sie haben Susanne Lothar in Ihrem ersten Spielfilm «Wer wenn nicht wir» als Ilse Ensslin, die Mutter von Gudrun Ensslin, besetzt. War das Ihre erste Begegnung? Wie und warum kam es zu dieser Besetzung?
Andres Veiel Vorgeschlagen hatte sie meine Casterin Simone Bär. Suse Lothar selbst war erst mal zögerlich. Sie sagte, sie schätzt meine Arbeit – sie...