Pathologien des Alltags
Dass Theodor W. Adorno den Jazz geringgeschätzt hat, ist verbürgt. Jazzorchester erinnerten den Philosophen an Militärkapellen. Der Dramatiker Thomas Melle bastelt aus der kulturgeschichtlichen Petitesse eine Mini-Farce. Ein deutsches Paar in Israel: Während sie mit dem Kellner flirtet, widert ihn das bevorstehende Jazzkonzert schon beim Frühstück an.
Obwohl er sich in seiner Antipathie auf den (halbjüdischen) Philosophen berufen kann, möchte er sich keineswegs auf prekärem Terrain als Gegner des Jazz zu erkennen geben: Wer weiß schon, wie kurz der Weg vom Jazzbanausen zum «Musiknazi» ist? «Sie können Jazz hassen, so viel Sie wollen», meint der Kellner. «Wir sind ein freies Land.»
Pathologien des Alltags durchziehen die sechs Sketche und Minidramen junger israelischer und deutscher Autoren, die unter dem Label «Reality Check» in Düsseldorf uraufgeführt wurden. Ob die Szenen im Scherzo (wie bei Melle, Tal Schiff und Noa Lazar-Kenan)
oder in einem ernsthafteren Modus ablaufen (wie vor allem bei Dana Idisis) – nicht zu verleugnen ist die Tatsache, dass auch in der mittlerweile dritten Generation Traumatisierungen und aus ihnen abgeleitete Neurosen das «natürliche» Verhalten der ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Martin Krumbholz
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in seinen bisherigen Theatertexten der eigenen Familiengeschichte und dem sich darin spiegelnden Nahostkonflikt. Das ist auch in «Küste» so, einem Stück, das Wajdi Mouawad 1997 in Montreal zur Uraufführung gebracht hat. Im Kern des Stücks steht Wilfried, dessen französische Mutter bei...
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