Odyssee für eine Leiche

Wajdi Mouawad «Küste» (DE, Kleines Haus)

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Der 1968 im libanesischen Deir-el-Kamar geborene Autor und Regisseur widmete sich
in seinen bisherigen Theatertexten der eigenen Familiengeschichte und dem sich darin spiegelnden Nahostkonflikt. Das ist auch in «Küste» so, einem Stück, das Wajdi Mouawad 1997 in Montreal zur Uraufführung gebracht hat. Im Kern des Stücks steht Wilfried, dessen französische Mutter bei der Geburt starb und der gerade auch seinen aus dem Nahen Osten stammenden Vater verloren hat. Die französische Verwandtschaft allerdings verweigert die Bestattung in der Familiengruft.

Also expediert Wilfried den Leichnam in die libanesische Heimat, dort allerdings sind die Friedhöfe aufgrund des anhaltenden Nahost-Konflikts überfüllt.

Mouawad überlagert diese zentrale Geschichte allerdings mit Traumsphären und will unter anderem, dass der Leichnam des Vaters zu sprechen beginnt. Angesichts solch eines wuchernden Textgespinsts versteht es sich, dass man kürzen und sich fragen kann, ob zum Beispiel dieser Ritter Guiromelant, den Mouawad wie einen überforderten Sittenwächter an Wilfrieds Seite stellt, nicht ersatzlos gestrichen werden sollte. Regisseur André Rößler greift nun zwar zum Rotstift, kürzt aber demokratisch ...

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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Jürgen Berger

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