Knallfroscheffekte
Das Lesen kann einen manchmal auf fast so dumme Gedanken bringen wie z.B. das
Spielen von «Counter Strike». Das gilt offenbar vor allem für die Lektüre von Dostojewski
und vor allem, wenn man ihn nur halb versteht.
Die Wiedergänger der «Dämonen»-Helden aus Dostojewskis 900-Seiten-Roman von 1873 jedenfalls, die in Kornél Mundruczós «Zeit
der Besessenen» als «vierte Generation» auf einem abgewrackten Militärflughafen in Amerika zusammentreffen, um eine zeitgenössische Terrorvariante aus Nihilismus, Sinnsuche, Sex und Suff zu reenacten, bringen die paar Dostojewski-Sätze, die ihnen ihr ungarischer Regisseur noch zumutet, nur im Wodka-Vollrausch und im Habitus hundertprozentigen Unverständnisses über die Lippen. Böses im Schilde führen sie trotzdem, auch wenn das lange kaum auffällt. Denn dass man mit Dostojewskis nichtsnutzigen Möchtegern-Revoluzzern auch fernab aller ideengeschichtlichen Großdispute eine desparat-fröhliche Knallfrosch-Party im Irgendwo feiern kann, hat schon Frank Castorfs Variante von 1999 an der Berliner Volksbühne aufs Schönste bewiesen.
In Márton Aghs detailgenau und atmo-sphärereich versifft nachgebildetem Schrott-Tower auf watte-eingeschneitem Flugfeld geht ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Barbara Burckhardt
Montag, 2.
19.30, Theaterkanal: Feridun Zaimoglu im Gespräch
Samstag, 7.
19.20, 3sat: Theatertreffen 2011 in Berlin – die Eröffnung
20.15, 3sat: Das Werk – Im Bus – Ein Sturz – von Elfriede Jelinek, mit Susanne Barth, Lina
Beckmann, Rosemary Hardy, Thomas Loibl, Caroline Peters, Laura Sundermann, Michael
Weber, Kathrin Wehlisch, Julia Wieninger und Manfred Zapatka,...
Drei Komödien von je drei Akten, mehrere Schauplätze (in Livorno im Haus der Bürger Filippo und Leonardo, im nahe gelegenen Landhaus in Montenero), viel Personal, noch mehr Kostüme – wie bringt man dieses Monstrum von einem Stück auf die Bühne? Spitzt man aufs Wesentliche zu, setzt man satirische Akzente und auf höllisches Tempo? Oder
geht man im Gegenteil...
Wir sind im Nordschwarzwald, der ganz plötzlich zu einem Arizona für arme Badener wird. Der Grund ist dieser Dauerpraktikant Friedrich, der eine Goldader irgendwo im dunklen Forst erfindet, eine Superrendite verspricht und die imaginäre Wertschöpfungskette dem Chef seiner letzten Praktikumsfirma verkauft. Auf Dauer kann das nicht funktionieren, also versucht...
