Schlicht und umgreifend
Kleine Brötchen sind nicht das Ding von Rafael Spregelburd: In seiner «Heptalogie nach Hieronymus Bosch» handelte der argentinische Ironiker die sieben Todsünden in zeitgemäßen Varianten ab («Die Dummheit», «Die Gier», «Die Panik» etc.). Sein jüngstes Stück, in seiner ersten Regiearbeit an einem deutschen Theater nun erstaufgeführt, heißt schlicht und umgreifend «Alles». Nicht ganz zu Unrecht, dreht es sich doch um keine geringeren Themen als Staat, Kunst und Religion.
Freilich kommen die drei Szenen wie Fußnoten zur Heptalogie daher – sie zeigen nicht die reinen Ideen, sondern deren «Sündenfall» in der Praxis: Bürokratie, Geschäft und Aberglauben.
Los geht's in einer Behörde: Die Mitarbeiter pendeln zwischen unverrückbarer Prinzipienreiterei und komplettem Überdruss, sie plappern die ganze Zeit mit- und übereinander, und sie ignorieren natürlich jeden Besucher. Szene zwei zeigt einen Weihnachtsabend mit zwei dieser Bürofiguren: Die geschieden lebende Nelly hat ihren Kollegen Omar eingeladen, um ihrem Ex-Mann (der wegen des gemeinsamen Sohnes anwesend ist) ein neues Leben vorzugaukeln. Doch der Abend dreht sich dann fast ausschließlich um einen uralten Groll zwischen Nellys ...
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