Zeit der Narren

nach Lew Tolstoi «Krieg und Frieden», nach Daniel Kehlmann «Tyll» am Schauspielhaus Düsseldorf

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«Wo fing das an, was ist passiert, was hat dich bloß so ruiniert?», singen «Die Sterne» seit 1996. Gute Frage. Zwei sehr unterschiedliche Romanadaptionen am Schauspiel Düsseldorf geben zwei sehr ähnliche Antworten: Das Leben ist passiert, es fing an mit der Gesellschaft und ihren Zwängen, und alles ruiniert hat schließlich der Krieg als Brandbeschleuniger: Tilmann Köhler inszeniert Lew Tolstois 2000-Seiten-Brett «Krieg und Frieden» als eingängige Familien-Dramedy.

Und André Kaczmarczyk verwandelt Daniel Kehlmanns «Tyll» in einen Comedia-dell’-Arte-Schwank hart am Rande des Abgrunds.

Bühnenbildner Karoly Risz nimmt die Idee des Geschichtspanoramas wörtlich: Er baut für «Krieg und Frieden» einen schwarzen 34-Meter-Laufsteg durch die langgezogene Halle des «Central» und platziert das Publikum auf ebenfalls sehr langen, einander gegenüberliegenden Tribünen. In diesen Catwalk eingelassen sind drei kleine Drehbühnen. Darauf dreht eingangs das zu Wachsfiguren erstarrte Ensemble seine Runden, bevor es sich in den Tanz-, Diskussions- und Selbstdarstellungstrubel einer Soirée des Jahres 1805 stürzt. Es folgen fünfeinhalb Stunden mit sehr viel Bewegung, Marschieren, Tanz, zornigen Debatten, ...

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Theater heute April 2026
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Cornelia Fiedler

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