Kerzen, Psalmen, Lobgesänge
Ein Leben ohne Männer in schwesterlicher Gemeinschaft, fernab von patriarchalen Erwartungen. In den sozialen Medien steht bei manchen jungen Frauen ausgerechnet das zölibatäre Ordensleben hoch im Kurs; spätestens seit drei betagte Chorschwestern aus Goldenstein Ende 2025 ihr Kloster besetzten und damit viral gingen, scheint das Dasein als Nonne im Trend zu liegen. Umgekehrt sind Schwestern längst Teil der Pop- und Hochkultur: In der Operninszenierung «Sancta» kombinierte etwa Florentina Holzinger Nonnenhauben mit Nacktheit und ließ die Enthaltsamen über die Halfpipe skaten.
Aber was bedeutet es wirklich, Teil des klösterlichen Lebens zu sein? Und kann es zur feministischen Zufluchtsstätte werden?
Die 1989 geborene Performancekünstlerin und Theatermacherin Lulu Obermayer hat sich einem Selbstversuch unterzogen – und verbrachte für ihre Produktion «Schwester» eine sechswöchige Auszeit in einem Kloster am Zürichsee. Ihre Erfahrungen überführt sie in eine sakrale Performance, die in der Münchner Spielstätte HochX zu sehen ist.
Obermayer, deren Arbeit «Rachel und ich» zuletzt auf dem Radikal jung Festival den Publikumspreis erhielt, sitzt nun mit dem Rücken zum Zuschauerraum auf der ...
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Theater heute April 2026
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Ella Rendtorff
Aus tiefem Dunkel tritt uns Salome entgegen. Mit schwarzem Kajalstrich unter den Augen, ein Punk oder Gothic Girl, das mit einem Bein bereits im Reich des Todes steht.
Dabei besetzt Salome in der abendländischen Mythologie eher die diesseitigen Gefilde. Sie verkörpert die sinnliche, weltliche Rache am Gottesmann Johannes dem Täufer, dessen Enthauptung Salome mit...
Dieser Hamlet ist ein Wunderbündel: gleichermaßen kindlich wie pubertär, altklug wie grübelnd, wissend wie nachdenklich, gerissen wie sensibel, burschikos wie elegant. Die junge Schauspielerin Shirin Ali, die den Prinzen in Nuran David Calis’ aktueller Mannheimer Inszenierung spielt, beherrscht die ganze Klaviatur der Emotionen und das Dazwischen. Switcht...
Das Bild des Boulevard de Temple, des Pariser Theaterviertels – gedruckt auf einem Gaze-Vorhang – hängt wie eine Erinnerung, wie ein Mahnmal auf der Bühne. Eine Fotografie aus dem Jahr 1838, für die Louis Daguerre die Straßenszene so lange belichtet hatte, dass alle Menschen in Bewegung nicht mehr zu erkennen sind. Bloß noch ein Schuhputzer und sein Kunde sind auf...
