Mutter, Pater, Kind
Die aus Tirol stammende Dramatikerin Lisa Wentz, Jahrgang 1995, schreibt in der Tradition von Marieluise Fleißer oder Felix Mit -terer kritische Heimatstücke, die aus der Zeit gefallen sind.
Dass sie gut ankommen, ist womöglich dem Manufactum-Effekt zuzuschreiben: Es gibt sie noch, die guten Dramen!
Zu den Förderern der Autorin gehört der Regisseur David Bösch; er hat in Wien die Wentz-Stücke «Adern» (Akademietheater, 2022) und «Azur oder die Farbe von Wasser» (Theater in der Josefstadt, 2025) inszeniert und jetzt als Linzer Schauspieldirektor «Verräter» auf den Spielplan gesetzt. Wobei die jüngste Produktion eine Nummer kleiner ist als die oben genannten: ein kurzes, intimes Stück, das Wentz bereits 2022 als Abschlussarbeit für den Studiengang Szenisches Schrei -ben an der Berliner UdK geschrieben hat. Spielort ist nicht das große Haus, sondern die Studiobühne; Regie führt diesmal nicht Bösch selbst, sondern Assistentin Anna-Katharina Wurz.
Man kann «Verräter» als Vorstufe zum spä -ter entstandenen, größer angelegten «Azur» lesen, die Motive sind dieselben: Provinz und Familie, homosexuelles Begehren und katholische Kirche, Suizid und Flucht. Das Bühnenbild (Nina Scarazola) ist ...
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Theater heute April 2026
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Wolfgang Kralicek
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Wie finster die Welt geworden ist, kann man in den jüngeren Inszenierungen am Badischen Staatstheater Karlsruhe schon beinah körperlich spüren. Ob in Ewald Palmetshofers «Die Verlorenen» oder Bertolt Brechts «Furcht und Elend des Dritten Reiches» – stets suchen Figuren vor dunklem Hintergrund nach Halt. Vergeblich! Ähnlich düster mutet Adrian Figueroas Adaption von...
