Scherzverwandtschaften

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«Das leidendste Tier auf Erden erfand sich das Lachen»
Friedrich Nietzsche

Im 13. Jahrhundert», erklärt uns der aus Burkina Faso stammende Politikwissenschaftler Wilfried Zoungrana, «legte der Kaiser des damaligen Malireiches ‹Scherzverwandtschaften› zwischen verschiedenen Völkern fest, um Frieden zu stiften.

» Was mag das bedeuten? Hinter dem Wort Scherzverwandtschaften steckt eine sehr alte westafrikanische Kulturtechnik, die offenbar auch größte Konflikte zwischen verschiedenen Ethnien oder religiösen Gruppen, gewaltlos entschärfen kann. In Burkina Faso ist sie unter dem Namen «Parenté à Plaisanterie» bis heute überall verbreitet. 

Als wir im Frühjahr 2010 zur Vorbereitung von Christoph Schlingensiefs Opernprojekt «Via Intolleranza II» dort mehrere Wochen zu Besuch waren, konnten wir ihre Anwendung fast täglich live erleben: Plötzlich aus heiterem Himmel begannen Menschen, sich übel zu beschimpfen. Das ging bis weit unter die Gürtellinie. Die Streitenden schreckten auch vor rassistischen und sexistischen Ausfällen nicht zurück. Als Außenstehender bekam man Angst. Das Ganze schien gefährlich zu eskalieren. 

Aber an dem Punkt, wo man dachte, jetzt werden sie sich gleich an die ...

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Theater heute 12 2022
Rubrik: Kolumne, Seite 71
von Carl Hegemann

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