Haltet den Dieb!
Ein perfektes Dilemma: Kulturelle Appropriation, also die Aneignung von Elementen fremder Kulturen, ist einerseits unverzichtbar, wenn es um einen kulturellen Austausch gehen soll, der sich nicht in den engen Grenzen einer gefühlt eigenen Kultur einmauern will. Denn die Verweigerung jeder kulturellen Appropriation führt geradewegs in den Ethnozentrismus: Jeder bleibt auf seiner Scholle! Einerseits.
Andererseits kann kulturelle Appropriation schnell herablassenden Rassismus bedeuten, siehe Blackfacing: Man eignet sich Elemente einer fremden Kultur an, um sich als überlegen zu präsentieren. Aber darf man indigene Amerikaner:innen Indianer:innen nennen, oder ist das schon eine diskriminierende koloniale Fremdbezeichnung? Ist ein Federschmuck auf dem Kindergeburtstag schon die Herabwürdigung einer Kultur, die von weißen Kolonisatoren brutal unterdrückt und fast ausgerottet wurde? Auch wenn die lieben Kleinen dabei vor Bewunderung glühende Winnetou-Fans sind?
Die Fronten in der Debatte wie auf anderen Baustellen der Identitätspolitik sind längst ideologisch verhärtet. Wie kommt man da wieder heraus? Jens Balzer, langjähriger Popkritiker der «Berliner Zeitung», versucht in seiner ...
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Theater heute 12 2022
Rubrik: Bücher, Seite 52
von Franz Wille
Sie glauben an die Vernunft der Menschheit, nur – die Menschheit ist dumm. In diesem Widerspruch sind auch wir noch gefangen, wie Gorkis Figuren. Alle Menschen sind Kinder der Sonne, aber den Menschen, denen wir begegnen, fehlt das Licht der Vernunft. Von Maxim Gorki, dem Vorzeigeliteraten der Sowjetunion, der noch mit Lenin und Stalin posierte, erwartet man solch...
Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 63. Jahrgang Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion Eva Behrendt Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro Katja Podzimski
Gestaltung Christian Henjes
Redaktionsanschrift Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin, Telefon 030/25 44 95 10, Fax 030/25 44 95 12...
Ich muss dieses Buch schreiben, bevor ich wieder funktioniere und weitermachen kann», sagt die Erzählerin kurz vor Ende ihrer Geschichte, als sie bereits zum zweiten Mal in einer Klinik zur psychotherapeutischen Behandlung ist. Schreiben als Selbstheilung. Das Vorhaben scheint geglückt. Die Erzählerin hat, bis wir zu diesem Satz gelangen, längst ihren Ausdruck...
