Zwielicht und Dunkelziffer

Maxim Gorki «Kinder der Sonne» im Schauspielhaus Bochum

Theater heute - Logo

Sie glauben an die Vernunft der Menschheit, nur – die Menschheit ist dumm. In diesem Widerspruch sind auch wir noch gefangen, wie Gorkis Figuren. Alle Menschen sind Kinder der Sonne, aber den Menschen, denen wir begegnen, fehlt das Licht der Vernunft. Von Maxim Gorki, dem Vorzeigeliteraten der Sowjetunion, der noch mit Lenin und Stalin posierte, erwartet man solch ausgewogene Bilanz nicht. Seine Tragikomödie «Kinder der Sonne» entlarvt die Weltabgehobenkeit, Larmoyanz und Widersprüchlichkeit der Intelligenz genauso wie die abergläubische Gewalttätigkeit des Pöbels.

 

Aus solchen Widersprüchen lassen sich Komödien konstruieren. So legt Mateja Koležnik ihre Inszenierung an, aber mit viel Gespür für die Widersprüche auf beiden Seiten. Da ist der Chemiker Pawel (Guy Clemens), ein völlig in seine Forschungen vertiefter, aber sympathischer Fach -idiot. Wenn er seiner vernachlässigten Frau sagt «Ich liebe dich doch. Ich habe nur keine Zeit», gibt es Gelächter. Er wird angebetet von der reichen Witwe Melanija (Jele Brückner), die bei jedem Auftritt einen anderen Pelzmantel um sich herumschwenkt. Sie will Pawel die zwölf Eier bringen, die er für seine Forschungen an Proteinen braucht – und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 12 2022
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Gerhard Preußer

Weitere Beiträge
Die neuen Begleiter:innen

Wir müssen unbedingt damit aufhören, Technologie als einen neutralen Raum zu sehen», mahnt Marek Tuszynski, Gründungsmitglied der Berliner NGO Tactical Tech, im Vorab-Gespräch mit der Berliner Art Week. «Technologie ist absolut untrennbar mit dem Politischen verbunden.» 

Gemeinsam mit dem HAU Hebbel am Ufer eröffnete die Plattform, die seit 2013 den...

Die inoffizielle Version

Mal im Ernst: Haben wir nicht schon genug mit der derzeitigen Weltlage zu tun? Warum sollten wir uns da noch mit dem sogenannten «Massaker von Dersim» im Jahre 1938 beschäftigen, bei dem Zehntausende Alevit:innen ermordet wurden? Oder mit dem Völkermord an den Armenier:innen zu Beginn des 20. Jahrhunderts? Weshalb wir dies unbedingt tun sollten, stellt Dogan...

Katastrophen von innen

Ihr erstes Theaterstück hat die 28-jährige Amanda Lasker-Berlin mit 18 geschrieben, und ihr Kunststudium an der Bauhaus-Universität in Weimar hat sie ab -gebrochen, um stattdessen in Ludwigsburg Theaterregie zu inskribieren. Trotzdem hat Lasker-Berlin als Autorin bisher eher mit Prosa reüssiert. Während ihr bei den Autorentheatertagen in Berlin 2021 uraufgeführtes...