Zwielicht und Dunkelziffer

Maxim Gorki «Kinder der Sonne» im Schauspielhaus Bochum

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Sie glauben an die Vernunft der Menschheit, nur – die Menschheit ist dumm. In diesem Widerspruch sind auch wir noch gefangen, wie Gorkis Figuren. Alle Menschen sind Kinder der Sonne, aber den Menschen, denen wir begegnen, fehlt das Licht der Vernunft. Von Maxim Gorki, dem Vorzeigeliteraten der Sowjetunion, der noch mit Lenin und Stalin posierte, erwartet man solch ausgewogene Bilanz nicht. Seine Tragikomödie «Kinder der Sonne» entlarvt die Weltabgehobenkeit, Larmoyanz und Widersprüchlichkeit der Intelligenz genauso wie die abergläubische Gewalttätigkeit des Pöbels.

 

Aus solchen Widersprüchen lassen sich Komödien konstruieren. So legt Mateja Koležnik ihre Inszenierung an, aber mit viel Gespür für die Widersprüche auf beiden Seiten. Da ist der Chemiker Pawel (Guy Clemens), ein völlig in seine Forschungen vertiefter, aber sympathischer Fach -idiot. Wenn er seiner vernachlässigten Frau sagt «Ich liebe dich doch. Ich habe nur keine Zeit», gibt es Gelächter. Er wird angebetet von der reichen Witwe Melanija (Jele Brückner), die bei jedem Auftritt einen anderen Pelzmantel um sich herumschwenkt. Sie will Pawel die zwölf Eier bringen, die er für seine Forschungen an Proteinen braucht – und ...

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Theater heute 12 2022
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Gerhard Preußer

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