Scheitern, klassisch
Dumpf ist das Volk und feierwütig. Dass sich die deutsche Geselligkeit unter Alkoholeinfluss gerne mal in Polonaisen Bahn bricht und dabei «Fiesta Mexicana» grölt, ist allgemein bekannt. Im Unterholz einer Berliner Grünanlage wirkt die Exotisierung der Migration im Deutschen Schlager allerdings besonders grotesk – eine Art Running Gag zwischen religiöser Prozession und militärischem Marsch, der vom Ensemble zwar angemessen lächerlich ausgeführt wird, aber längst nicht mehr lustig ist.
Natürlich interessiert sich das migrationshintergrunddiverse Berliner Gefängnistheater aufBruch in seinem Zugriff auf «Faust», den vielleicht deutschesten aller deutschen Klassiker, vor allem für die Gesellschaft und dafür, was diese «im Innersten zusammenhält». Wie wenig es dabei um individuelle Schicksale oder Perspektiven geht, macht Regisseur Peter Atanassow schon durch die Besetzung klar: Die Rollen des alten weißen Mannes Heinrich Faust und seines teuflischen Side-Kicks Mephisto hat er gleich dreifach besetzt: entindividualisiert, wie in jeder guten Parabel.
Zum vierten Mal bespielt aufBruch nun für einige Sommer-Wochen das Areal hinter dem Kulturbiergarten Jungfernheide, auf dem sich die ...
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Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Anja Quickert
Das Angebot kam per Brief: in ein Museum bei Nacht einsteigen, mit der Taschenlampe durch dessen dunkle Räume gehen. Alleine, aber beobachtet von Sicherheitskräften. Sich umzudrehen und die Sicherheitskräfte zu beobachten, ist verboten. Wer das Verbot übertritt, beendet damit schlagartig die Performance-Installation.
Und hier stehe ich nun vor einer Seitentür des...
Bernhard Stengele kommt vom Theater und war von 2012 bis 2017 Schauspielspieldirektor in Altenburg/Gera. Das Mitglied der Grünen wurde ab 2020 Landessprecher der Partei in Thüringen und nach einem Personalwechsel im Februar 2023 Umweltminister und stell -vertretender Ministerpräsident in Thüringen, worüber er in «Theater heute» 10/23 ausführlich gesprochen hat....
Also! Wir gehen? – Gehen wir!» Sie gehen nicht von der Stelle. So endet Samuel Becketts «Warten auf Godot». Sie sind doch gegangen in Bochum, in Ulrich Rasches Inszenierung, und wie! Fast vier Stunden lang schleichen Vladimir und Estragon auf den unmerklich die Richtung wechselnden Drehscheiben dahin. Ja, sie kommen nicht von der Stelle. Und dass sie dennoch gehen,...
