Schaut uns an
«Schaut mich an» ist der letzte Satz in Fatih Akins «Aus dem Nichts», das im Rahmen des Festivals «Kein Schlussstrich!» am Theater in Zwickau Premiere hatte. Er ist ein Aufruf gegen das Vergessen und ein Plädoyer, die Opfer und nicht die Täter in den Fokus zu nehmen. Die damalige Bundeskanzlerin Merkel äußerte sich bei der offiziellen Trauerfeier für die Opfer des Nationalsozialistischen Untergrunds im Februar 2012 in Köln ähnlich: «Wir vergessen zu schnell – viel zu schnell.» Das war ein Jahr nach der sogenannten Selbstenttarnung des NSU.
Merkel versprach damals: «Wir tun alles, um die Morde aufzuklären und die Helfershelfer und Hintermänner aufzudecken und alle Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen.» Dazu kam es nicht. Opfervertreter mahnen, dass bis heute vieles nicht ausermittelt sei und besonders die Verwicklungen der Verfassungsschutzbehörden zu sehr im Dunklen blieben. Die Angehörigen der Opfer bestehen zu Recht auf Gedenken und Aufklärung. Gegen das Vergessen braucht es aber konkrete Maßnahmen.
Das dachten sich auch Jonas Zipf, Betriebsleiter der Stadtkultur Jena, und Amelie Deuflhard, künstlerische Leiterin bei Kampnagel in Hamburg, die 2020 den Verein «Kein ...
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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Der NSU-Komplex, Seite 40
von Torben Ibs
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