Schaut uns an
«Schaut mich an» ist der letzte Satz in Fatih Akins «Aus dem Nichts», das im Rahmen des Festivals «Kein Schlussstrich!» am Theater in Zwickau Premiere hatte. Er ist ein Aufruf gegen das Vergessen und ein Plädoyer, die Opfer und nicht die Täter in den Fokus zu nehmen. Die damalige Bundeskanzlerin Merkel äußerte sich bei der offiziellen Trauerfeier für die Opfer des Nationalsozialistischen Untergrunds im Februar 2012 in Köln ähnlich: «Wir vergessen zu schnell – viel zu schnell.» Das war ein Jahr nach der sogenannten Selbstenttarnung des NSU.
Merkel versprach damals: «Wir tun alles, um die Morde aufzuklären und die Helfershelfer und Hintermänner aufzudecken und alle Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen.» Dazu kam es nicht. Opfervertreter mahnen, dass bis heute vieles nicht ausermittelt sei und besonders die Verwicklungen der Verfassungsschutzbehörden zu sehr im Dunklen blieben. Die Angehörigen der Opfer bestehen zu Recht auf Gedenken und Aufklärung. Gegen das Vergessen braucht es aber konkrete Maßnahmen.
Das dachten sich auch Jonas Zipf, Betriebsleiter der Stadtkultur Jena, und Amelie Deuflhard, künstlerische Leiterin bei Kampnagel in Hamburg, die 2020 den Verein «Kein ...
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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Der NSU-Komplex, Seite 40
von Torben Ibs
Sein größter Erfolg war «Totenfloß». Nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl und einer Chemiekatastrophe bei Sandoz in Basel wurde es das Stück des Jahres 1986, bald von über zwei Dutzend Theatern gespielt. Vier körperlich und seelisch verkrüppelte Überlebende einer verstrahlten Landschaft, von der nur wenige bewohnbare Areale übrig geblieben sind, treiben auf...
Endlich alles gut in Damaskus. Der Bürgerkrieg überwunden, Schuldfragen und Rachepläne vergessen. Die Trümmerfrauen, oder wer immer hundert Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in Syrien dafür zuständig ist, haben die Bühne des Alltags klinisch gesäubert. Kaum ein Staubkorn zu sehen beim Ortstermin «Damaskus 2045» im Freiburger Kleinen Haus.
Es sind sogar wieder Museen...
Ein weißer Raum voller Gläser, Teller, Schüsseln, Tassen, Besteck, teils ausgepackt, teils noch in Papier gewickelt und Kisten verpackt: Schon vor einigen Jahren hat Regisseur und Autor Hakan Savas Mican bei einem der Herbstsalons des Berliner Gorki Theaters eine Installation eingerichtet, die von seiner Familiengeschichte erzählte. Eine veritable Aussteuer hat...
