Schatten der Vergangenheit

Nuran David Calis und Stefan Pucher erforschen die Gegenwart mit Romanen aus dem letzten Jahrhundert

Theater heute - Logo

Nicht immer gibt es gute Argumente für Romanadaptionen auf der Bühne, und die Bereitschaft der Theater, sich mit neuen originären Stücken zu beschäftigen, könnte nach wie vor größer sein. Dennoch, in Fällen wie den beiden Münchner Mai-Premieren – «Die 40 Tage des Musa Dagh» nach Motiven von Franz Werfel am Resi­denztheater und «América» nach dem Roman von T. C. Boyle an den Kammerspielen – springt der neuralgische Gegenwartsgehalt der beiden epischen Textvorlagen so unmittelbar in Auge, dass es dafür keine extra Rechtfertigung braucht.

 

Nach wie vor gilt Werfels akribisch recherchierter, 1933 erschienener und kurz darauf von den Nationalsozialisten verbotener Bericht über den verlust-, aber auch erfolgreichen Freiheitskampf einer Dorfgemeinschaft auf dem Mosesberg als berühmtestes Buch über den Völkermord an den Armeniern. Dass es zudem auch als erschreckend visionäre Parabel auf den jüdischen Widerstand in den Ghettos während des Zweiten Weltkriegs gelesen werden kann, ist nur ein weiterer Aspekt seiner Brisanz. Und der Amerikaner T.C. Boyle analysierte bereits 1995 hellsichtig und konkret, wie schnell die Konfrontation mit dem echten Anderen, hier in Gestalt illegaler ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Widerstand gegen Erdogan

Alles Gute zum Jahrestag! Wünschen wir uns gegenseitig am 31. Mai 2016 im Foyer des Ikincikat Theaters in Karaköy, Istanbul. Heves Duygu Tüzün und Sami Berat Marçali sind zwei der drei BegründerInnen des Off-Theaters, das übersetzt «Zweites Stockwerk» heißt. Hier habe ich letztes Jahr die Produktion «P*rk» gesehen. Ein Stück über junge Leute nach den...

Rundkurs Geometrie

Sieben Frauen singen. Ein Pianist darf begleiten. Und die Kunst dreht sich um sich selbst. Das ist Herbert Fritschs «Wer hat Angst vor Hugo Wolf?» am Schauspielhaus Zürich, der erste Liederabend des zurzeit radikal komischsten Universalgenies im deutschen Theater. Für diesmal begnügt sich Fritsch nicht – wie etwa in seiner Zürcher Musicalparodie auf den «Schwarzen...

Raum für Ambivalenzen

Ihr nennt es Krise, wir nennen es Krieg», zitiert das Programmheft die ukrainischen Künstler, die sechs Wochen lang am Theater Magdeburg zu Gast waren. Dass der dort geplante «kulturelle Austausch» im «geschützten Raum des Theaters» nicht konfliktfrei verlaufen konnte, erklärt sich schon aus der aktuellen geopolitischen Situation der Ukraine und ihrer jüngeren...