Scheitern am American Dream
Die Hauptrolle hat der Vorhang. Genau genommen ist er eigentlich kein Vorhang, sondern eher ein riesiges wallendes Organ, das sich in kaum wahrnehmbarer Geschwindigkeit von hinten nach vorne und zurück bewegt, Menschen ausspuckt und sie wieder verschwinden lässt. Zum Beispiel diesen traurigen alten Mann. «Ich bin eine äußerst groteske Gestalt», sagt der irgendwann zwischendrin mal, und: «Ich ziehe mich nicht vorteilhaft an, vielleicht.
» Dabei trägt Willy Loman in seinen besseren Momenten einen gut sitzenden beigefarbenen Anzug, perfekt geschneidert auf die massige Figur des Schauspielers Peter Kurth. In seinen schlechten Momenten allerdings steht dieser Loman oben ohne und in einem merkwürdigen schwarzen Chiffonrock verloren im Raum. Auf die nackte Brust fällt ein kleiner Schatten, als hätte der Mann da ein Loch. Vielleicht ist es die Stelle, wo einst Stolz und Hoffnung saßen. Die sind ihm bekanntermaßen abhanden gekommen in Arthur Millers Klassiker «Tod eines Handlungsreisenden».
Willy Loman ist ein Relikt, sein Beruf: Handlungsreisender. Heute würde man das wohl Vertreter nennen. Allerdings ist Loman, so lernt man im Laufe des Stücks, nie wirklich ein guter Verkäufer gewesen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2016
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Kristin Becker
Pläne der Redaktion
Die Festivalsaison ist in vollem Gang zwischen Wien, Brüssel, Posen und Hannover!
Herbert Fritsch feiert schon mal vorsorglich eine furiose «Apokalyse» in Recklinghausen
Tena Stivicic lebt in London und weiß Europa zu schätzen. Gerade weilsie die kroatische und jugoslawische Geschichte so gut kennt: «Drei Winter», eine Familiengeschichte von...
Aalen, Theater der Stadt
2. Goldoni, Mirandolina
R. Karin Eppler (Schloss Wasseralfingen)
Bamberg, E.T.A.-Hoffmann-Theater
1. nach Grimmelshausen,
Das abenteuerliche Leben des Simplicissimus
R. Laura und Tobias Goldfarb/Lisa Quarg
Berlin, Schlosspark Theater
17. Schiller, Die Jungfrau von Orleans
R. Stefan Kleinert
28. Goldoni, Mirandolina
R. Stefan Kleinert
Coburg,...
Sieben Frauen singen. Ein Pianist darf begleiten. Und die Kunst dreht sich um sich selbst. Das ist Herbert Fritschs «Wer hat Angst vor Hugo Wolf?» am Schauspielhaus Zürich, der erste Liederabend des zurzeit radikal komischsten Universalgenies im deutschen Theater. Für diesmal begnügt sich Fritsch nicht – wie etwa in seiner Zürcher Musicalparodie auf den «Schwarzen...
