Scheitern am American Dream
Die Hauptrolle hat der Vorhang. Genau genommen ist er eigentlich kein Vorhang, sondern eher ein riesiges wallendes Organ, das sich in kaum wahrnehmbarer Geschwindigkeit von hinten nach vorne und zurück bewegt, Menschen ausspuckt und sie wieder verschwinden lässt. Zum Beispiel diesen traurigen alten Mann. «Ich bin eine äußerst groteske Gestalt», sagt der irgendwann zwischendrin mal, und: «Ich ziehe mich nicht vorteilhaft an, vielleicht.
» Dabei trägt Willy Loman in seinen besseren Momenten einen gut sitzenden beigefarbenen Anzug, perfekt geschneidert auf die massige Figur des Schauspielers Peter Kurth. In seinen schlechten Momenten allerdings steht dieser Loman oben ohne und in einem merkwürdigen schwarzen Chiffonrock verloren im Raum. Auf die nackte Brust fällt ein kleiner Schatten, als hätte der Mann da ein Loch. Vielleicht ist es die Stelle, wo einst Stolz und Hoffnung saßen. Die sind ihm bekanntermaßen abhanden gekommen in Arthur Millers Klassiker «Tod eines Handlungsreisenden».
Willy Loman ist ein Relikt, sein Beruf: Handlungsreisender. Heute würde man das wohl Vertreter nennen. Allerdings ist Loman, so lernt man im Laufe des Stücks, nie wirklich ein guter Verkäufer gewesen, ...
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Theater heute Juli 2016
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Kristin Becker
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