Rückeroberung der Realität
Sie dürfen wieder, hurra!! Aber Moment mal, wie kommt man nach über einem halben Jahr verordnetem Stillstand in kürzester Zeit wieder auf Betriebstemperatur? Einfach weitermachen, als sei nichts gewesen, oder erstmal langsam aufwärmen? Nach dem endlich doch rasanten Sinkflug der Inzidenzzahlen im Mai erscheinen die Häuser vom sehnlichst erwarteten Neustart fast überrumpelt.
Zumindest Spielpraxis müssen die Ensembles nach monatelangem Entzug der Lizenz erst allmählich wieder aufbauen, auch das Zuschauen mit ungeteilter Aufmerksamkeit im geteilten Raum, auf das wir alle so lange hingefiebert haben, fühlt sich noch ungewohnt an, und die noch nicht wieder etablierte Routine lässt die Frage «Was will ich hier eigentlich?» mitunter ungewohnt deutlich durchklingen.
Gut gerüstet zeigt sich das Münchner Residenztheater München mit einem Startfeuerwerk von gleich einem halben Dutzend Premieren innerhalb von zwei Wochen, darunter mit «Der Kreis um die Sonne» ein Stück der Stunde. Roland Schimmelpfennig hat es während des ersten Lockdowns im Frühsommer 2020 als Auftragswerk über den Corona-Einbruch für das Resi geschrieben; doch die für Herbst geplante Premiere fiel dann prompt dem zweiten ...
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Theater heute Juli 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 9
von Silvia Stammen
Eva Behrendt Die Berliner Freie Szene gilt als besonders vielfältig und ausdifferenziert. Welche Bedeutung hat sie für die Hauptstadt – und vielleicht auch darüber hinaus?
Klaus Lederer Zunächst einmal glaube ich, dass Berlin nur deshalb zu der Kulturstadt werden konnte, die es heute ist, weil es eine unfassbare Diversität im Kulturbereich insgesamt gibt. Daraus...
Dann eben draußen! 150 Plastikstühle im vorgeschriebenen Anderthalb-Meter-Abstand, 10 Grad, schwarze Wolken ziehen übers Haus, Regenpause etwa zur Hälfte der Vorstellung inklusive. Vor dem Deutschen Theater erhebt sich ein improvisiertes «Sommertheater» auf den verlängerten Stufen des Eingangsportals, das schon beim Betreten frösteln macht. Der erste Eindruck...
Die letzte Hoffnung ist der Super-Supermarkt, während draußen ein todbringender Nebel die Welt verschlingt. Doch dummerweise ist das Einzige, was im Supermarkt noch zählt, der angezählte Hyperkapitalismus, wie die ehemalige Aushilfe Simone (Katka Kurze) dem gestrandeten Anwalt und ehemaligen Milchbauern Dietmar (Martin Esser) klar macht: «Hättest du gesagt, dass du...
