Rein oder raus?

Das Deutsche Theater Berlin startet sein Sommertheater mit PeterLichts «Tartuffe», in Osnabrück wird Rebekka Kricheldorfs «Das Waldhaus» zum Horrormovie

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Dann eben draußen! 150 Plastikstühle im vorgeschriebenen Anderthalb-Meter-Abstand, 10 Grad, schwarze Wolken ziehen übers Haus, Regenpause etwa zur Hälfte der Vorstellung inklusive. Vor dem Deutschen Theater erhebt sich ein improvisiertes «Sommertheater» auf den verlängerten Stufen des Eingangsportals, das schon beim Betreten frösteln macht. Der erste Eindruck täuscht nicht. Nach gut zwei Stunden verlässt man den Kunstort gründlich steifgefroren und verabschiedet sich dafür mit Extra-Applaus. Denn die neue Freude am Klatschen ist, dass man endlich wieder seine Finger spürt.

Auch auf der Bühne vollzieht sich ein Bedeutungswandel; das unter den tapferen Spieler*innen beliebteste Kostüm ist ein wärmender Bademantel. Aber der Reihe nach. 

PeterLichts Überschreibung von Molières «Tartuffe oder Das Schwein der Weisen» ist selbst kein Fall von Feinsinn. Die Heuchler-Komödie um den frömmelnden Intriganten wird in eine neoliberale Farce überführt: Der Familienclan um Orgon verwandelt sich in eine wohlstandsverwahrloste Gegenwartssippe, die ökonomisch um ihren Patriarchen kreist, kulturell in narzisstisch-infantiler Debilität versinkt, dialogisch schwer auf der Stelle tritt und die Welt vor ...

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Theater heute Juli 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Franz Wille

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