«Kämpft um den Kuchen, nicht um das größte Stück!»

In der Amtszeit des Berliner Kultursenators Klaus Lederer ist der Kulturetat deutlich gewachsen, und die Förderstrukturen der Freien Szene wurden überarbeitet. Trotzdem stellt sich die Frage: Was kommt nach der Pandemie? Ein Gespräch.

Eva Behrendt Die Berliner Freie Szene gilt als besonders vielfältig und ausdifferenziert. Welche Bedeutung hat sie für die Hauptstadt – und vielleicht auch darüber hinaus? 
Klaus Lederer Zunächst einmal glaube ich, dass Berlin nur deshalb zu der Kulturstadt werden konnte, die es heute ist, weil es eine unfassbare Diversität im Kulturbereich insgesamt gibt.

Daraus lässt sich kein Einzelbereich wie etwa die Clubkultur herauslösen und allein für die Ausstrahlung Berlins verantwortlich machen – es geht um ein ganzes Soziotop, in dem sich die Leute begegnen, berühren und inspirieren. Zumindest in den letzten Jahren beobachte ich außerdem, wie die Grenzen zwischen Freier Szene und Institutionen fließender werden, dass Impulse hin und her springen. Die große Anziehungskraft von Berlin als Kulturstadt hat aber natürlich auch mit der Nachwende-Entwicklung zu tun, mit dem kompletten Wegbrechen des industriellen und produktiven Sektors, mit der Entstehung von Freiräumen ... 

EB … und mit den damals noch niedrigen Mieten. 
Lederer Vor Hartz IV hatte es auch damit zu tun, dass man im Zweifelsfall ohne Geld und ohne die Angst, unter Druck zu geraten, hier sein Ding machen konnte. Insofern ist ...

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Theater heute Juli 2021
Rubrik: Freie Szene, Seite 35
von Eva Behrendt

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