Wachsen an der Katastrophe
Die letzte Hoffnung ist der Super-Supermarkt, während draußen ein todbringender Nebel die Welt verschlingt. Doch dummerweise ist das Einzige, was im Supermarkt noch zählt, der angezählte Hyperkapitalismus, wie die ehemalige Aushilfe Simone (Katka Kurze) dem gestrandeten Anwalt und ehemaligen Milchbauern Dietmar (Martin Esser) klar macht: «Hättest du gesagt, dass du Geld hast, hätte ich dich längst reingelassen, wir sind ja schließlich keine Unmenschen.» Solange er kauft, kann er bleiben, denn der Kunde ist König.
Später stoßen noch, man beachte den Namen, Karl Schmidt (Alexander Ganz-Kuhl), ein ehemaliger Drohnenpilot und Verkäufer von 3-D-Druckern, sowie eine blutrünstige Erzieherin und ein desillusionierter Gott (Christine Grabsch) hinzu.
Ein klassisches Kammerspiel-Setting, doch Autor Sören Hornung will mit «Arche NOA – Das Ende vom Schluss» etwas anderes. Das mit dem Chemnitzer Theaterpreis für junge Dramatik 2020 ausgezeichnete Stück hatte in der Regie von Matthias Huber nachträglich seine Uraufführungspremiere im Stream des Theaters Chemnitz. Der Preis hatte seinerzeit für Verwunderung gesorgt, weil Hornung bereits für sein Vorgängerstück mit derselben Auszeichnung bedacht ...
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Theater heute Juli 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Torben Ibs
Giuseppe Verdi war erschüttert. «Vagner è morto», entfuhr es dem grande compositore, als er 1883 vom Tod seines deutschen Widerparts erfuhr. «Eine große Persönlichkeit ist von uns gegangen! Ein Name, der unauslöschliche Spuren in der Geschichte der Kunst hinterlässt.» Verdi ahnte, als er die Worte notierte, wohl kaum, wie tief diese Spuren sich ins Gedächtnis der...
Eigentlich könne man gar nicht mehr fragen, wie es einem gehe, in diesen Zeiten, meinte Raimund Hoghe. So begann im vergangenen Oktober meine Laudatio auf den Choreografen und Tänzer, als er mit dem Deutschen Tanzpreis geehrt wurde. Er spielte nicht auf seine persönliche Situation in Zeiten der Pandemie an, die ihm zunehmend zusetzte, sondern er bezog sich auf die...
Erinnert sich noch jemand an das Intertextualität-Seminar Anfang der 1980er Jahre? Die brandgefährlichen Thesen aus Frankreich, bei deren bloßer Erwähnung in schriftstellerheiligen Thomas-Mann-Colloquien die Neonröhren im Raum zu flackern begannen? Der Autor sei tot, so das Donnerwort von Roland Barthes, und das war kategorisch gemeint. Es gebe kein...
