Rudolstadt: Gott ist nicht schuld
Die Heilige Schrift in vier Stunden: «Die Bibel», eingedampft für die Bühne von Niklas Rådström (übersetzt vom Intendanten Steffen Mensching), inszeniert von Alejandro Quintana, ist eine Revue der Schöpfung und der Wunder, des Glaubens und des Zweifelns, eine verwirrende Szenenfolge von Karl Krausscher Wucht, nur dass es sich hier eben um die ersten Tage der Menschheit handelt.
Da ist alles drin: von Adam bis Apokalypse, von Eva bis Evangelium, von Moses bis Monotheismus, dessen Absolutheitsanspruch man auf die tolerante Schulter nimmt.
Freilich, ganz traut man dem Jahrzehnte vor dem heilsbringenden Opium gewarnten Volk die Bibelfestigkeit denn doch nicht zu: Im Programmheft hat man ein «Glossar zur Bibel» eingelegt, das nochmal kompakt über die Hauptdarsteller und -themen der Heiligen Schrift informiert. Jesus wird als «Wanderprediger» vorgestellt, und der Sündenfall ist schon auch irgendwie der Grund dafür, dass es überhaupt einen Arbeiter- und Bauernstaat gab, weil die Menschen seit der Vertreibung aus dem Paradies nun mal «das Leben durch Mühe und Arbeit bestreiten» müssen.
Quintana braucht erstaunlich wenig Aufwand und Kulissen für seinen Parforceritt durch das alte und neue ...
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Theater heute April 2017
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Bernd Noack
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