Romeo und Julia auf dem Dorfe
Der Wiener Theatermacher Christian Suchy passt in keine Genre-Schublade. Angefangen hat er vor 20 Jahren mit sehr eigensinnigen, autistisch-komischen Soloabenden zwischen Mime und Objekttheater, in denen er beispielsweise mit Obst, Gemüse und Küchengeräten ganze Shakespearetragödien nachspielte. Suchy erwarb sich den Ruf eines Geheimtipps, kam darüber aber nicht hinaus. Die Szene, in der einer wie er ein Star wäre, müsste man erst erfinden.
Seit längerem tritt Suchy nicht mehr auf, stattdessen inszeniert er selbstentwickelte Stücke voller Sonderlinge, in denen der Dialekt eine zentrale Rolle spielt. Nach Jahren des freien Produzierens hat der 52-jährige Suchy im Theater an der Gumpendorfer Straße (Tag) inzwischen ein Ensemble gefunden, mit dem er kontinuierlich arbeiten kann.
Mit seiner jüngsten Arbeit «Bluad, Roz und Wossa» (Blut, Rotz und Wasser) kehrt Suchy nun zu Shakespeare zurück, diesmal ohne Küchengeräte. Obwohl: Wüsste man nicht, dass das Stück «sehr frei nach Shakespeares ‹Romeo und Julia›» entstanden ist, man würde es kaum erkennen. Mit der berühmtesten Liebestragödie aller Zeiten hat der Abend kaum mehr gemeinsam, als dass ein unglückliches Liebespaar am Ende tot ist. ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Wolfgang Kralicek
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