Rivalinnen, Komplizinnen
Berlin plus Wien gleich Rettung der Volksbühne? Was in der mauen ersten Spielzeit funktionierte, war jedenfalls die Flanke Österreich. Und Florentina Holzinger, deren «A Divine Comedy» zu den erfolgreichen Produktionen des letzten Jahres gehörte, landete auch mit «Ophelia’s Got Talent» den ersten Saisonhit (vgl. TH 11/22).
Nun also «Hyäne Fischer»: Das «totale Musical» geht auf das feministische Politkunstprojekt «Burschenschaft Hysteria» zurück, das sich seit 2016 in Wien unter Obfrau Stefanie Sargnagel und mit der matriarchal organisierten, aasfressenden Hyäne als Wappentier der humoristischen Strategie bedient, sich männerbündische Praktiken unter umgekehrtem Vorzeichen zu eigen zu machen.
Schon 2019 wäre die aus Schlagerqueen und Wappentier gemixte Hyäne Fischer mit dem Synthie-Schlager «Im Rausch der Zeit» – das zugehörige Video schwelgte in Eva-Braun-Asso -ziationen und Nazi-Loden-Ambiente – fast zum European Song Contest ausgerechnet nach Tel Aviv gefahren. Drei Corona-Jahre später liegt nun zur Musical-Premiere auf den Stufen zur traditionell linken Berliner Volksbühne erstmals ein roter Teppich; neben Theaterautorin Lydia Haider und Musikkuratorin Marlene Engel (hier ...
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Theater heute 1 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Eva Behrendt
Racines «Phaedra» spielt man am liebsten auf Eis (wie Martin Kušej 2017 in München) oder zumindest auf weißem Sand (Johannes Schütz in Köln 2011): kunstvoll kristallisierte frostige Sprache gegen heiße Gefühle. Aber Ersan Mondtag erhitzt die Tragödie, bis sie in Sprechblasen zerplatzt. Aus zu viel Ernst wird zu viel Spaß.
Ersan Mondtags Bühne ist eine vergrößerte,...
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