Richards Liebeskonzil
In der Hölle liegt das wahre Paradies; auf Erden und im Himmel herrscht eine verdruckst spießige Erotik: Hans Neuenfels schändet Richard Wagners «Tannhäuser». Aber ganz leichthin, von oben herab, fast mit einem Achselzucken nimmt er die Trümmer der Grand Opéra, des Erzromantischen und der hehren Ideale auf die leichte Schulter.
Doch zunächst stiftet der Regisseur ein Memento und mahnt, für die Träume seiner Jugend Achtung zu tragen. Für ein Vorspiel auf der Leinwand lässt Neuenfels Maximen und Reflexionen aus dem Schatzkästlein seiner Lebensweisheit projizieren.
Weißt Du, wie das wird – oder war, ließe sich mit den «Ring»-Nornen raunen. Als man noch Winzling und Möglichkeitsmensch war, noch Visionen besaß, bis die wilden Jahre im tristen Ehestand zahm wurden, Sublimierungstheorie zur gängigen Praxis wird – und der hochfliegende Ikarus abstürzt.
Während dieses Prologs durchleuchtet im Graben des Aalto Theaters Stefan Soltesz die Ouvertüre sublim und dezent, so wie der Intendant und GMD, sein Orchester und das Ensemble überhaupt Essens Musiktheater zur mit Abstand ersten Adresse in Nordrhein-Westfalen gemacht haben.
Wenn sich der Vorhang hebt, liegt der Venusberg wie zum pompe funèbre ...
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