Revolutionskuscheln
Erst vor Kurzem beschäftigte das Stuttgarter Staatsschauspiel sich en passant mit Albert Camus’ «Die Gerechten» (1949). Im nahe gelegenen Tübingen folgte jetzt mit Jean-Paul Sartres «Die schmutzigen Hände» (1948) das nächste Stück rund um die Frage, ob der politische Mord zur Durchsetzung hehrer Ideale gerechtfertigt sei. In beiden Fällen greift ein mit linken Heilserwartungen gefütterter Idealist zur Waffe. Sartre wartet mit der Wendung auf, dass ein Novize der kommunistischen Partei einen Funktionär aus den eigenen Reihen beseitigen soll. Der junge Mann heißt Hugo.
Töten soll er einen gewissen Hoederer, der entgegen der Parteilinie mit konservativ-reaktionären Kräften kollaborieren will.
Als Sartre das schrieb, war das linksintellektuelle Lager Europas gespalten. Die Frage lautete: Pro oder contra Stalin? Der Diktator starb 1953, Jean-Paul Sartre trat postwendend in die kommunistische Partei Frankreichs ein, nach vier Jahren aber schon wieder aus. Damals durchlebte man ideologische Glaubensfragen noch ganz existentiell. Warum die Theater derzeit und gerade im Kernland des pietistischen Gehorsams so gerne auf Diskursstücke aus der scheinbar so fernen Zeit des französischen ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Jürgen Berger
Jetzt geht er nach Beirut. Auch so eine Stadt, in der nach 16 Jahren Bürgerkrieg die Brachen reichlich sind. Brachen scheinen Matthias Lilienthal zu beflügeln. Und in Europa ist Berlin die Brachenstadt schlechthin, längst nicht mehr kriegs- und kaum noch wendebedingt, sondern vor allem als Folge eines einzigen Planungsdebakels: der neue Flughafen...
Theater ist eine kollektive Kunst», befindet (und praktiziert) der Regisseur (und seit Herbst 2011 Intendant der Stuttgarter Staatsoper) Jossi Wieler. Und er sucht (und findet nicht immer) zusammen mit Dramaturgen, Bühnenbildnern, Dirigenten und Darstellern die gesellschaftliche und individuelle Wahrheit, Triftigkeit, die Gegenwärtigkeit der Bühnenvorgänge....
Andrzej Wirth Als ich 1966 zum ersten Mal nach New York kam, suchte ich über eine polnische Stiftung eine Unterkunft. Sie hieß nach dem polnischen Ingenieur und Emigranten Jurzykowski Foundation und führte an der East 37th Street ein Haus für Literaten und Künstler. Ich wohnte dort für ein paar Monate, mit anderen notgelandeten Polen. Es war nach der Zeit in...
