Historisches Treibgut
Wer noch vor Ende des letzten Jahrtausends Geisteswissenschaften studierte, hielt dieses gigantische, absatzlose Buch gewiss in den Händen. Ob als Seminarthema, in intensiver Einzelstudie oder studentischer Arbeitsgruppe – «Die Ästhetik des Widerstands» war Kultbuch und Pflichtlektüre. Denn hier wurde der Widerstand der Arbeiterbewegung gegen den Faschismus zwischen 1937 bis 1942 gründlichst verhandelt und gefragt, was Kunst in diesem Zusammenhang leisten kann.
Zugleich staunte man über die Wucht der Form, die genresprengende Dimension des 1000-seitigen Werks, das mit seinen kunsttheoretischen Betrachtungen und geschichtlichen Abhandlungen mehr Essay als Roman zu sein schien. Heute ist das zwischen 1971 und 1981 entstandene Hauptwerk von Peter Weiss selbst den Studierenden größtenteils unbekannt. Das mag am verschulten System von Bachelor und Master liegen, möglicherweise auch am bierernsten Pathos des Werkes aus dem totalitaristischen Geist des 20. Jahrhunderts. Zudem ist die schwierige Auseinandersetzung der Linken mit sich selbst längst in eine andere Phase eingetreten. Hauptangriffsfläche und Problem sind nicht mehr Faschismus und schlecht realisierter Kommunismus. Vielmehr ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Natalie Bloch
Jetzt geht er nach Beirut. Auch so eine Stadt, in der nach 16 Jahren Bürgerkrieg die Brachen reichlich sind. Brachen scheinen Matthias Lilienthal zu beflügeln. Und in Europa ist Berlin die Brachenstadt schlechthin, längst nicht mehr kriegs- und kaum noch wendebedingt, sondern vor allem als Folge eines einzigen Planungsdebakels: der neue Flughafen...
Jetzt ist es vorbei: Nach neun Erfolgsjahren am Berliner HAU verlässt Intendant Matthias Lilienthal Haus und Stadt. Zum Abschied folgte er noch mal dem alten Motto Überforderung mit 24 Stunden «Unendlicher Spaß» und einer weitläufigen «Weltausstellung» auf dem Tempelhofer Feld. An den Münchner Kammerspielen schlägt Michael Thalheimer zum ersten Mal auf mit...
Theater heute Frau Sommer, Sie sind gerade 90 Jahre alt geworden und haben als Theaterverlegerin in Berlin, hier in Ihrem schönen Dahlemer Verlags- und Wohnhaus, noch immer einen Zwölfstunden-Arbeitstag. Mit jener unermüdlichen Energie, die Sie offenbar schon früh angetrieben hat. Unmittelbar vor Kriegsende haben Sie mit kaum 23 in Berlin noch Ihr Studium der...
