Reine Formsache
Die letzten Tage der Menschheit sind jetzt auch schon wieder hundert Jahre her. Aus gegebenem Anlass war das Schauspielprogramm der Salzburger Festspiele 2014 monothematisch dem Ersten Weltkrieg gewidmet, und da führte an Karl Kraus’ großem Wiener Weltkriegstheater «Die letzten Tage der Menschheit» (1922) kein Weg vorbei.
Die im Landestheater als Koproduktion mit dem Burgtheater angesetzte Inszenierung fand allerdings unter erschwerten Bedingungen statt: Weil der ursprünglich vorgesehene Regisseur Matthias Hartmann aus arbeitsrechtlichen Gründen verhindert war, musste kurzfristig Ersatz gesucht werden. Gefunden wurde Georg Schmiedleitner, der die Inszenierung des – je nach Ausgabe – bis zu 800 Druckseiten umfassenden Monsterwerks in nur vier Monaten stemmen musste. Seine gemeinsam mit dem Dramaturgen Florian Hirsch erstellte Fassung umfasst 46 von insgesamt 220 Szenen.
Kraus will seine Tragödie für ein «Marstheater» geschrieben haben; gemeint ist damit wohl auch, dass er gar nicht an eine Aufführung gedacht hat. Das Problem ist weniger der schiere Umfang – es werden ja auch tausendseitige Romane aufgeführt – als der Charakter des Textes: Im Grunde ist die «Tragödie in fünf Akten» ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Festivals/Aufführungen, Seite 12
von Wolfgang Kralicek
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Bernd Noack Das Drama der Stunde ist «Die letzten Tage der Menschheit» von Karl Kraus. In Wien kann man gleich an zwei Häusern Neuinszenierungen sehen. Kraus selber sagte es praktisch voraus, dass man vergessen wird, was damals geschehen ist, und deshalb genauso weitermachen wird. Ist die Menschheit unfähig zu lernen?
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