Nivea forever
Was für eine profane Antwort! Woran Peer beim Onanieren denkt, wollte Miriam wissen. Und was hat Peer gesagt? «Harte Brustwarzen, die nach Nivea riechen.
» Das kann’s doch nicht sein! Onanie, das ist für Miriam die Möglichkeit, vollkommen autonom Glück zu produzieren, mit den eigenen Händen: «Das schönste Gefühl der Welt, sage ich, der einzige autarke Moment in deinem ganzen Leben, Glück, Menschen töten dafür, andere zerbrechen daran, und du siehst Brustwarzen mit Bodylotion und das macht dich glücklich? Glück?!» Es war der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama, der 1992 das Ende der Geschichte ausrief: Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, so behauptete er, gebe es keine Widersprüche in der Welt mehr, also weder Systemkämpfe noch Utopien. Die liberale, marktwirtschaftliche Demokratie habe sich für alle Zeiten durchgesetzt. Nivea forever.
Es ist der Theaterautor Thomas Köck, der nun eine Gesellschaft seziert, deren Mitglieder süchtig sind nach Glück, sich aber mit den Glücksversprechen begnügen müssen, die ihnen der Kapitalismus bietet: Konsumgüter, Geld, gesellschaftliche Geltung. Wenn er sie ihnen denn bietet, denn so klar wie 1992 ist das längst nicht mehr. «Jenseits von ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Chronik Osnabrück, Seite 68
von Tobias Becker
Annie Sprinkle hat schöne Brüste. Große, schwere, weiche Brüste, die die 60-jährige Übermutter der künstlerischen Sexarbeit im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel zu Strauss’ «Donauwalzer» tanzen ließ: niedlich, lustig, auch erotisch. Es war eine kluge Entscheidung, Sprinkles kurze Performance «Bossom Ballet» zur Eröffnung der Konferenz «Fantasies that matter –...
© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt 2014
«Im zermauerten Land» ist ein Vorabdruck aus:
Günther Rühle
Theater in Deutschland 1945–1966
Seine Ereignisse – seine Menschen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014,
1.440 Seiten, gebunden, € (D) 46,00/€ (A) 47,30/SFR 61,90,
erscheint am 23. Oktober 2014In der Bundesrepublik war man schon lange stolz auf den erreichten...
Als ich den damals noch recht jungen Gert Voss zum ersten Mal ganz bewusst auf der Bühne wahrnahm, war er sehr alt. Ich hatte ihn schon vorher gesehen – so in Claus Peymanns und Achim Freyers Stuttgarter «Faust» von 1977; aber da war er mir nicht wirklich aufgefallen in der Menge der turbulenten Aktionen und Akteure. Am 7. Mai 1982 aber, als «Der Kirschgarten» in...
