Regensburg: Der Feind ist tot
Das ist eine Geschichte, wie sie der, über den in ihr berichtet wird, selber erdacht haben könnte: Der Spitzel eines diktatorischen Regimes hockt jahrelang in seinem Observationskabuff und registriert jede Bewegung des ihm obskuren Objekts seiner Beobachtungsbegierde. Voller Pflichteifer bekommt er aber gar nicht mit, dass der angebliche Staatsfeind längst verstorben ist. Im vertraulichen Bericht für die «Firma», wie die Partei schlecht tarnend umschrieben wird, kann man immer nur von «keinen besonderen Vorkommnissen» lesen.
Wovon auch sonst: Der «Feind» ist tot – und sogar die Regierung, für die der Spitzel spitzelte, ist längst abgesetzt ...
Der in der Oberpfalz nahe der tschechischen Grenze lebende Schriftsteller Bernhard Setzwein hat sich das alles für den von ihm höchst verehrten tschechischen Schriftsteller Bohumil Hrabal (1914–1997) einfallen lassen. Und wer nur ein wenig das Leben dieses einzigartigen Literaturkauzes kennt, weiß, dass es sich darin (und auch eben danach) durchaus hätte so zutragen können. Dieser pflichteifrige Dutky, der sich keinen Schritt aus seinem Büro-Bunker bewegt, der seine Kladden mit allen Einzelheiten der Ereignislosigkeit füllt, den Stillstand ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Bernd Noack
Nichts ist langweiliger als das, was man kann. Gegen derartige Ernüchterung hilft ab und an eine selbstverordnete Irritation, wie es für Schauspieler durchaus der Verzicht auf Sprache sein kann. Eine entschlossene Einzelkämpferin wie Sandra Hüller wagt sich auch schon mal in ungespurtes Terrain, begleitet nur von einer künstlerischen Komplizin, die noch einmal fünf...
Dunkel und still wie in einem Grab ist es. Plötzlich schneiden gleißend helle Stroboskopblitze einzelne Bilder in die Finsternis: Ein Mann watet durch knöcheltiefes Wasser, trifft auf eine Frau. Im Blitzlichtgewitter und zu anschwellender elektronischer Musik fallen sie wollüstig übereinander her, ein zuckendes triefnasses Knäuel, das sich im Wasser wälzt....
Die Titelseite der «taz» vom 21.6.2015 zeigte ein Foto, das (angeblich) in einem Krankenhaus im sizilianischen Augusta aufgenommen worden war. Es zeigte eine Art Andachtsraum, in dem ein riesiger geöffneter Kühlschrank stand, darin gestapelt Müllsäcke, die augenscheinlich Tote enthielten. Auf dem Steinboden darunter war ein großer brauner Fleck zu sehen, offenbar...
