Festival: Das ist nur Kunst
Der Heidi-Kabel-Platz ist eine unwirtliche Ecke der Hamburger Innenstadt, wenn auch eine mit theatraler Aufladung. Gelegen zwischen Ohnsorg-Theater, Deutschem Schauspielhaus und Hauptbahnhof ist der Platz im Grunde nicht mehr als ein windzerblasener großer Taxistand und ansonsten Durchgangsstation für Pendler, Dropouts, Touristen und Theatergänger. Hier hat der israelische Künstler Omer Krieger ein Spielfeld für die Performance «Now (The Clash)» abgezirkelt, ein Spielfeld, auf dem Kampnagel sein 7. Live Art Festival unter dem Titel «Choreografie & Protest» eröffnet.
In «Now (The Clash)» treffen hochgerüstete Polizisten auf eine Gruppe Demonstranten, stürmen aufeinander zu, lösen sich voneinander. Krieger dekonstruiert ritualisierte Formen dieses Zusammentreffens, schält den performativen Gehalt aus den Protest-Repressions-Strukturen. Vermummung und Panzerung sind Kostüme, das Spiel aus Vorrücken und Zurückweichen ist eine Choreografie – als Einstimmung auf das Festivalthema funktioniert die Performance. Über 60 Minuten kommt Kriegers Arbeit allerdings inhaltlich recht dünn daher, zumal die Inszenierung weitgehend stumm bleibt: Einzig gebrüllte Marschbefehle und der ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Falk Schreiber
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ihr Haus brennt, und die Feuerwehr streikt. Ihr Nachbar bietet Ihnen seinen Feuerlöscher an, fordert aber im Gegenzug die komplette Inneneinrichtung Ihres Hauses. Sie stehen im Rauch – also nehmen Sie das Angebot an, ohne sich zu fragen, ob Ihr Retter vielleicht auch derjenige ist, der das Feuer gelegt hat.
Mit dieser...
Zuletzt hatte sich Regie-Veteran Hansgünther Heyme an dem sperrigen Stoff versucht: mit dem Karlsruher Ensemble und für die Ruhrfestspiele in Recklinghausen. Aber absehbar blieb auch diesmal wieder, dass die beiden «Gas»-Stücke des expressionistischen Dramatikers Georg Kaiser nicht wirklich zurückzugewinnen sind fürs Repertoire. Denn obwohl ziemlich viel Material...
Unter Saddam Hussein war der Irak wunderschön», seufzt der Iraker Behnam Al-Agzeer beim Interview in der «Dezentrale» in Mülheim an der Ruhr, die vor drei Jahren noch eine Schlecker-Filiale war und nun die «Silent University» beherbergt.
Es gibt wohl kaum einen Satz, in dem sich der Abgrund zwischen westlicher und östlicher Perspektive klarer abbilden würde. Mit...
