Reflexion statt Reflexe
Wenn du Probleme hast, ruf nicht die Polizei, ruf lieber die Räuber, heißt es in einem Samba von Chico Buarque. Damit wäre das Imageproblem der brasilianischen Polizei ziemlich klar umrissen. Würde man jeden der zehneinhalb Millionen Bewohner São Paulos nach seinen persönlichen Kollisionen mit der Staatsgewalt fragen, bekäme man wahrscheinlich an die dreißig Millionen Anekdoten zu hören. Satte Bestechungsgelder für läppische Verkehrssünden gelten noch als die lustigsten.
Und auch die Tatsache, dass man – falls man ausgeraubt wird und die Polizei das Diebesgut wider Erwarten zu beschlagnahmen schafft – Unsummen investieren muss, um es zurückzubekommen, wird hier relativ sportlich behandelt.
Härter werden die Geschichten, wenn die Sprache auf die Militärdiktatur kommt. Die argentinische Schriftstellerin und Theatermacherin Lola Arias, die zusammen mit Stefan Kaegi vom Regiekollektiv Rimini Protokoll auf Einladung des Goethe-Instituts in Sao Paulo eine dokumentarische Inszenierung mit brasilianischen Polizisten erarbeitet hat, ist als Kind in Buenos Aires regelmäßig vor der Polizei weggerannt. Sie hat Freunde, deren Väter von der Militärdiktatur verschleppt wurden. Brasilien lebte ...
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