Reale Utopien
In letzter Zeit wird wieder verstärkt übers Theater gestritten, vor allem über seine Zukunft. Wie soll sie aussehen? Die Stadttheater bewahren? Eine zweite Säule aus Projektförderung daneben stellen? Mehr Produktionshäuser gründen? Und wie geht es überhaupt mit dem Ensemble- und Repertoirebetrieb weiter? Übernimmt der Apparat die Kunst? Das sind alles berechtigte Fragen, aber sie kommen immer von der praktisch-pragmatischen Seite. Sie werden diktiert von Produktionsbedingungen, Eigenfinanzierungsanteilen, Budgetdeckeln, kommunalen Finanzen etc.
Wir meinen: Wer zu praktisch denkt, schränkt sich von vornherein ein. Das Interesse der Künstler müsste doch erst einmal sein, von ihren Bedürfnissen auszugehen.
Deshalb fragen wir aus Sicht der Kunst: Wie sähe denn, wenn wir alle praktisch-pragmatischen Probleme einmal beiseite lassen, ein ideales Theater aus? Ohne Rücksicht auf Realisierbarkeit, einzig aus der Sicht der künstlerischen Wünsche? Mein ideales Theater – eine reale Utopie!
Antworten in diesem Jahrbuch von Björn Bicker, Robert Borgmann, Ruedi Häusermann, Karin Henkel, Fabian Hinrichs, Bettina Hoppe, Stefan Kaegi, Alexander Karschnia, Susanne Kennedy, Stephan Kimmig, Sylvana ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 4
von
Zuerst stellt sich für mich sogleich die Frage, wie der Ort für dieses Traumangebot aussieht. Wo ich bin, ganz real.
Und da tauchen auch schon drei ehrwürdige Hallen auf. Ein Park mit alten Bäumen, einen Biergarten hat es, unmittelbar an einem breiten, langsamen Fluss. Das beeindruckt mich besonders. Ein unbestechlicher Begleiter, Einmitter, Erregungshemmer, der...
Vier Freundinnen, Mitte 20. Im grellen Saallicht trotten sie auf die Bühne. Blicken drein wie frisch verliebt in die Sinnkrise. Wadenlange Blümchenröcke. Blickdichte Strümpfe. Schlabber-Sweater, brutale Hornbrillen, Notfrisuren. Je ein Finger steckt in gut geleerten Wodkaflaschen. Je ein Erkenntnisrausch vernebelt das Gemüt: «Es sagt mir nichts, das sogenannte...
Sich eine Welt auszumalen, in der das Realitätsprinzip abgeschafft ist, praktische Umstände keine Rolle spielen und der Wunsch nur darauf wartet, seine Erfüllung zu finden, das hat wenig mit der Art und Weise zu tun, mit der ich mich durchs Leben bewege. Deswegen entspricht es meinem Bild des idealen Theaters und meinem Selbstverständnis, dass die Künstlerische...
