Spiel mit dem Feuer
Die einzige Kirche, die erleuchtet ist, ist eine, die brennt.»
Dieses Stück ist eine Zumutung. Es beginnt mit einer elend langen Hasstirade, dem Monolog einer alternden Frau, bestehend aus anklagenden Hauptsätzen voller Obszönitäten. Es steigert sich zu einer Aufzählung von Psychopharmaka, die in alphabetischer Reihenfolge ausgespuckt werden. Ein präpubertärer Mädchenchor soll schließlich dazu singen.
Einen ersten Höhepunkt erreicht der sprachliche Wuterguss mit dem Auftritt eines nackten Mannes, dem die Regieanweisung verordnet: «Er läuft mit einem großen Minotauruskopf nackt über die Bühne und rezitiert Verse aus ‹Faust›.»
Das Stück bedient sich der Motive aus Federico García Lorcas Familiendrama «Bernarda Albas Haus» von 1936, in dem Religion als Unterdrückungsinstanz gezeigt wird, das eigene Haus als Gefängnis fungiert und Ort der phallokratischen Unterwerfung der Frau ist. Lorca durchleuchtet die Familie als geschlossenen Hort eines «Mikrofaschismus».
Emilio García Wehbi richtet in seinem Stück den Fokus ebenfalls auf die Unterdrückungsstrukturen der männlich dominierten Gesellschaft, die auch heute noch in vielen Ländern der Erde den weiblichen Körper als Geisel nimmt. ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 195
von Iris Laufenberg
Gehören Sie vielleicht auch zu jenen Zeitgenossen, die ihr Allerwelts-Ich für eine grandiose, singuläre, unverwechselbare Angelegenheit halten? Denken Sie auch, dass Sie mit Ihrer Kleinfamilie, Patchworkbeziehung oder Singledasein und den üblichen Alltagsproblemen ganz uneinholbar einmalig in der Welt stehen? Dass sich jeder für Ihre mickrige Meinung interessieren...
A
Alan Ayckbourn
Alle lieben George (Staatstheater Nürnberg)
B
Jeff Baron
Mischpoke (Neues Schauspiel Ensemble, München)
Paco Bezerra
Grooming (Deutsches Theater Göttingen)
C
Adam Cass
Ich liebe dich, Mann (Stadttheater Pforzheim)
Guillaume Corbeil
Man sieht sich (Theater der Jungen Welt, Leipzig)
D
Lisa D’Amour
Detroit (Theater Münster)
F
Nathalie Fillion
Durch den Wind...
Seit Adam und Eva beginnt alles mit einem Trauma – Geburt. Was danach folgt, sind Lektionen fürs Leben. Ungefähr so läuft es im allgemeinen und auch im konkreten Fall: Die Empfängnis war zwangsläufig, und gegen die nachfolgende Schwangerschaft konnte sie nichts unternehmen. Also rüstet die Mutter ihr Kind noch vor der Geburt für ein anderes Leben. Gehorsam befolgt...
